Christian Taubert
Die beiden Herzberger Azubis aus Vietnam, Phan Vu (l.) und Tran Linh Huong (r.), mit Geschäftsführer Thomas Eperjesi in der Produktion.

Vietnam trifft HerzbergFachkräftenachwuchs für die Galvanik

Armaturen aus Herzberg haben eine weit mehr als ein Jahrhundert alte Tradition. Carl Marx und Otto Moschütz gründeten am 18. April 1900 die Gelbgießerei und Armaturenfabrik. Gesellschaftliche Umbrüche haben die Herzberger stets schmerzlich zu spüren bekommen. Nach mehreren Übernahmen und Firmenänderungen entstand im Jahr 2017 die OFB Oberflächenbearbeitung Kimax GmbH, die weiter als Galvanik und Metallschleiferei tätig war.



Gemeinsam für den Erhalt des Standorts

Hier hatte sich auch Thomas Eperjesi für einen Job im Vertrieb beworben und wurde 2022 als Assistenz der Geschäftsführung eingestellt. Im März 2023 übernahm der Galvaniseur- und Schleifermeister die Geschäftsführung des Unternehmens. Dass es dem Betrieb immer schlechter ging, konnte auch er nicht verhinder. Neben Gesellschafterproblemen, den Auswirkungen von Corona und hohen Energiekosten sei es vor allem die viel zu einseitige Ausrichtung auf Chrom-Armaturen gewesen, die zur Aufgabe des Betriebes geführt hätten, sagt Thomas Eperjesi und er fügt hinzu: »Die Kimax war ein Beispiel dafür, wie schwierig es ist, eine Galvanik ohne einen fachkundigen Galvaniseur zu führen.« Schließlich war es Eperjesi, der im Januar 2024 die Kimax-Insolvenz anmeldete. Allerdings mit dem Ziel, traditionelle Industrie in Herzberg zu erhalten. Mit dem Investor Gerd Rothaug wurde eine Rettung des Standortes ermöglicht. Das Duo Rothaug/Eperjesi erwarb über einen Asset-Deal Bestandteile der OFB Kimax. Nach Gründung der E.u.Ro Chrom GmbH, starteten sie mit der Produktion. Zur Entwicklung weiterer Verfahrenstechnik gründeten sie zeitgleich die E.u.Ro Oberflächenveredelung GmbH. Investor Gerd Rothaug zeigte sich von der wirtschaftlichen Zukunft beider Unternehmen überzeugt.



Internationale Fachkräfte für die Zukunft

Zu dieser Zukunft gehört natürlich auch Fachkräftenachwuchs. Seit 2025 lernen zwei Azubis im Unternehmen. Vermittelt hat sie ein Personaldienstleister der technischen Industrie in Großräschen, der sich auf die Internationalisierung und Vorbereitung internationaler Fachkräfte spezialisiert hat – vor allem aus Vietnam und den Philippinen. Die Herzberger Azubis Phan Vu (21) und Tran Linh Huong (22) waren unter zehn Bewerbern, die sich bereits gut vorbereitet bei E.u.Ro Chrom vorgestellt haben. Danach seien zunächst vier junge Leute in der engeren Auswahl gewesen, so Thomas Eperjesi. Seit September des Vorjahres erlernen zwei von ihnen den Beruf des Oberflächenbeschichters (früher Galvaniseur). »Beide Azubis haben den Eignungstest sehr gut bestanden«,verweist Eperjesi auf beachtliche Kenntnisse in naturwissenschaftlichen Fächern. »Die Verständigung auf Deutsch muss allerdings trotz B1-Zertifikat noch verbessert werden« sagt Eperjesi, »hierzu werden gerade mehrere Wege und Ideen geprüft.« Mit den beiden Neuzugängen ist der Geschäftsführer sehr zufrieden. Was für die beiden Auszubildenden von großem Vorteil ist: Ein Landsmann, der schon seit DDR-Zeiten hier am Standort arbeitet, ist Teamleiter in der Schleiferei und kann so bei der Integration und Problemen wie Behördengängen gut unterstützen. Über den Investor Gerd Rothaug, war auch die Unterbringung abgesichert. Beide Azubis wollen in der Firma wachsen und groß werden. »Wir wollen hier bleiben«, sagt Phan Vu.

 

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