Christian Taubert

Interview"Ohne Ehrenamt würde vieles nicht funktionieren"

In vierter Generation leitet Knut Wischmann das Unternehmen Metall- und Fahrzeugbau GmbH & Co. KG in Königs Wusterhausen. Seit April ist der 59-jährige Kreishandwerksmeister der Vertreter der nördlichen Kammerbetriebe im Vorstand.

In den väterlichen Betrieb, in dem Aufbau & Service für Nutzfahrzeuge (Lkw und Anhänger) angeboten wird, stieg er zur Wendezeit (1989/90) ein. Zugunsten des Weiterbestehens des Familienunternehmens (gegründet 1907) gab er sein Maschinenbau-Studium auf und begann eine Ausbildung im Bereich Kfz. Parallel machte er einen Abschluss als Betriebswirt des Handwerks und im Anschluss seinen Kraftfahrzeugmechanikermeister. Im Jahr 2000 eröffnete das Unternehmen eine neue moderne Betriebsstätte im Gewerbegebiet in Niederlehme und zum 100-jährigen Firmenjubiläum im Jahre 2007 übernahm er die Führung des Familienbetriebes. Ehrenamtlich engagiert sich Wischmann im Vorstand des Versorgungswerkes des Handwerks Dahme-Spreewald sowie in der Bürgerstiftung Königs Wusterhausen.
Die Handwerkskammer Cottbus sprach mit Knut Wischmann.



HWK: Herr Wischmann, Sie sind erfolgreicher Unternehmer. Wie gelingt es Ihnen, nebenbei noch ein so umfangreiches ehrenamtliches Engagement aufzubringen?
Wischmann: Das kann man nur schaffen, wenn man von der eigenen Familie und vor allem von seiner Frau privat und betrieblich unterstützt wird.




HWK: Oft geht dies mit eigenen Werten einher, die man selbst lebt und gern vermitteln möchte…
Wischmann: Ja, es sind Werte, die man von seinen Eltern und Großeltern vorgelebt und vermittelt bekam. Bei mir waren diese stets durch handwerkliche Grundwerte und Arbeit geprägt. Davon, nicht immer auf die Minute zu gucken. Und da zu sein, wenn man gebraucht wird.




HWK: Welche politischen Entscheidungen könnten dem Handwerk am meisten gut tun?
Wischmann: Da geht es mir vor allem um größere Akzeptanz und höheren Stellenwert des Handwerks. Und, dass Politik mehr darauf hinwirkt, dass die Ausbildung im Handwerk lukrativer wird, und dass das Handwerk eine wichtige Säule der Gesellschaft ist. Wir werden auch in Zukunft Handwerker benötigen, die Autos, eine Toilette oder ein Dach reparieren können.




HWK: Die Innungen verlieren immer mehr an Zuspruch. Welche Gründe sehen Sie dafür und wie ist dieser Entwicklung entgegenzuwirken?
Wischmann: Es ist vieles im Umbruch. Junge Unternehmer, die meine Entwicklung nie kennengelernt haben und lediglich die Grundvoraussetzung zur Gründung einer Firma erfüllen, erschließt sich oft der Sinn der Innungsarbeit kaum. Dabei sehe ich die Innungen auch als Sprachrohr, um auf politische Entscheidungen hinzuwirken. Natürlich verstehe ich, dass der Arbeitsaufwand für diese Unternehmer hoch ist: Sie müssen fachlich auf dem neuesten Stand bleiben und investieren schon viel ihrer privaten Zeit in den Aufbau und Ausbau ihres Unternehmens. Dennoch bleibt der Austausch untereinander sowie die gegenseitige Unterstützung ein wesentlicher Faktor. Genau das macht die Innungen beinahe unersetzlich. 




HWK: Herr Wischmann, welche Projekte oder Initiativen liegen Ihnen besonders am Herzen?
Wischmann: Wir fiebern dem Baubeginn unseres Leistungszentrums Nord entgegen, das eine wichtige Rolle für die künftige Ausbildung spielen wird. Und dann ist da natürlich die Bürgerstiftung mit dem Projekt »Demokratie für Grundschulkinder«, wo es um das Erlernen von Demokratieverständnis geht. Da organisieren wir Besuche im Rathaus und Gespräche mit den Stadtverordneten und der Stadtverwaltung. Die Bürgermeisterin veranschaulicht in einer Art Rollenspiel mit den Kindern, wie eine Stadt regiert wird, wie Demokratie funktioniert oder wie Geld verteilt wird. Und auch eine Reise nach Potsdam in den Landtag gehört zu den Aktivitäten. Für mich ist oftmals erstaunlich, wie Kinder bestimmte Dinge beurteilen und einschätzen. Darüber lohnt es sich mehr nachzudenken.

 

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Lea Renner

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