Internationale FachkräfteVon Usbekistan nach Südbrandenburg: Wie aus Fachkräften Kollegen werden
Firdavsbek Obidjonov und Shahboz Namozov sind aus Usbekistan nach Südbrandenburg gekommen und arbeiten inzwischen bei der A.A.T. Autohaus Auto-Tech GmbH. Ende Oktober soll bereits eine dritte Fachkraft folgen. Ihre Geschichten zeigen, dass internationale Fachkräfteeinwanderung trotz bürokratischer Hürden, sprachlicher Herausforderungen und Kosten gelingen kann – wenn Fachkräfte, Unternehmen und Unterstützungsstrukturen gemeinsam an einem Strang ziehen.
Der Fachkräftemangel ist auch im südbrandenburgischen Handwerk längst Realität. Viele Betriebe suchen qualifizierte Mitarbeiter und müssen neue Wege gehen, um offene Stellen dauerhaft zu besetzen. Ausbildung und Nachwuchsgewinnung bleiben dabei unverzichtbar, gleichzeitig gewinnt die internationale Fachkräftegewinnung zunehmend an Bedeutung. Hinter Begriffen wie Fachkräftesicherung, Anerkennung und Einwanderung stehen jedoch vor allem Menschen mit persönlichen Geschichten, Hoffnungen und Erwartungen. Zwei von ihnen sind Firdavsbek Obidjonov und Shahboz Namozov aus Usbekistan. Beide verbindet ihre Leidenschaft für die Fahrzeugtechnik und der Wunsch, sich beruflich und persönlich in Deutschland weiterzuentwickeln.
Zwei Geschichten, ein gemeinsamer Neustart
Der 22-jährige Firdavsbek Obidjonov interessiert sich bereits seit seinem 15. Lebensjahr für Autos. In Usbekistan absolvierte er eine Ausbildung im Bereich Kfz-Technik mit Schwerpunkt Wartung und Reparatur von Fahrzeugen und sammelte mehrere Jahre praktische Erfahrung. Fahrzeugdiagnose, Reparatur und Wartung gehören zu seinen bisherigen Tätigkeiten. Nun möchte er seine Kenntnisse in Deutschland erweitern und neue Arbeitsmethoden kennenlernen. Die ersten Monate waren dabei nicht immer einfach, insbesondere die deutsche Sprache stellte ihn vor Herausforderungen. Inzwischen blickt er jedoch deutlich selbstbewusster auf seine neue Situation:
„Ich hatte Schwierigkeiten mit der Sprache, aber jetzt habe ich mehr Selbstvertrauen. Meine Kollegen haben mir oft geholfen, wenn ich etwas nicht verstanden habe. Sie sind sehr nette und aufrichtige Menschen. Wir sind wie eine Familie.“
Auch außerhalb des Arbeitsplatzes findet Firdavsbek zunehmend seinen Platz. Er kocht gerne usbekische Gerichte für seine Kollegen, spielt Fußball und schwimmt. Sein Lieblingsverein ist der FC Bayern München – und ein Besuch der Allianz Arena steht ganz oben auf seiner persönlichen Wunschliste.
Auch der 32-jährige Shahboz Namozov hat seine berufliche Zukunft schon früh mit der Fahrzeugtechnik verbunden. Nach seiner Ausbildung im Bereich Fahrzeugtechnik studierte er am Automobilinstitut in Taschkent und schloss sein Studium 2019 erfolgreich ab. Heute arbeitet er in Deutschland und blickt mit großer Zuversicht auf seinen neuen Lebensabschnitt:
„In meinem Traumland zu leben und den Beruf auszuüben, den ich liebe, ist wirklich etwas Wunderschönes.“
Besonders beeindruckt haben ihn die Freundlichkeit der Menschen, die Modernität, die Sicherheit und die Natur. Sein Ziel geht dabei über die eigene berufliche Entwicklung hinaus. Shahboz möchte langfristig seine Familie nach Deutschland holen und seinen Kindern neue Zukunftsaussichten ermöglichen:
„Für die Bildung und Entwicklung meiner Kinder gibt es hier alle Möglichkeiten. Auch meine Familie ist darüber sehr glücklich.“
Damit wird deutlich: Internationale Fachkräfteeinwanderung bedeutet nicht nur, eine offene Stelle zu besetzen. Für die Menschen, die nach Deutschland kommen, ist sie häufig eine weitreichende Lebensentscheidung.
Aus zwei Fachkräften wird ein wachsendes Team
Bei der A.A.T. Autohaus Auto-Tech GmbH zeigt sich inzwischen, dass die internationale Fachkräftegewinnung nicht bei den ersten beiden Mitarbeitern endet. Firdavsbek und Shahboz sind bereits Teil des Teams. Ende Oktober 2026 soll eine dritte Fachkraft aus Usbekistan folgen. Der künftige Kollege bereitet sich derzeit in Usbekistan intensiv auf seine B1-Sprachprüfung vor. Die bisherigen Erfahrungen stimmen alle Beteiligten sehr positiv und man ist zuversichtlich, dass er die Prüfung erfolgreich absolvieren wird und anschließend nach Deutschland einreisen kann. Damit wächst das Team Schritt für Schritt – und gleichzeitig die Erfahrung des Unternehmens mit internationalen Fachkräften.
Für Geschäftsführer Herrn Mira ist diese Entwicklung ein Beispiel dafür, dass es sich lohnt, angesichts des Fachkräftemangels neue Wege zu gehen.
„Natürlich ist es eine Herausforderung, Fachkräfte aus dem Ausland in den Betrieb zu integrieren. Aber wenn beide Seiten offen aufeinander zugehen, Geduld mitbringen und sich gegenseitig unterstützen, kann daraus etwas sehr Positives entstehen. Unsere Erfahrungen mit Firdavsbek und Shahboz sind sehr gut. Deshalb freuen wir uns auch darauf, Ende Oktober unsere dritte Fachkraft bei uns begrüßen zu können.“
Die Erfahrungen bei A.A.T. zeigen dabei deutlich: Integration ist keine Einbahnstraße. Die neuen Mitarbeiter lernen die deutsche Sprache, Arbeitsabläufe und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen kennen. Gleichzeitig lernt auch der Betrieb neue Menschen, Kulturen und Perspektiven kennen. Genau dieses gegenseitige Lernen kann aus internationalen Mitarbeitern langfristig starke Teammitglieder machen.
Der Weg ist nicht leicht – aber er kann gelingen
So positiv die Erfahrungen bei A.A.T. sind, der Weg nach Deutschland war für die Fachkräfte nicht einfach. Berufsqualifikationen müssen geprüft und gegebenenfalls anerkannt werden, Sprachkenntnisse aufgebaut, Visa- und Aufenthaltsverfahren durchlaufen und zahlreiche organisatorische Fragen geklärt werden. Auch trotz des politischen Ziels des Bürokratieabbaus erleben Unternehmen und Fachkräfte die Verfahren weiterhin als komplex und zeitaufwendig. Hinzu kommen Kosten für Sprachkurse, Reisen, Verwaltungs- und Anerkennungsverfahren sowie gegebenenfalls Qualifizierungsmaßnahmen. Gerade für kleine und mittlere Handwerksbetriebe ist die Entscheidung, Fachkräfte aus dem Ausland zu gewinnen, deshalb ein großer Schritt.
Umso wichtiger ist eine verlässliche Begleitung. Genau hier setzt das Projekt FIT for German Climate Businesses an. Das Projekt beschränkt sich dabei nicht auf ein einzelnes Herkunftsland: Qualifizierte Fachkräfte werden sowohl aus Usbekistan als auch aus Kolumbien für eine berufliche Perspektive im deutschen Handwerk gewonnen und gezielt auf ihren Weg nach Deutschland vorbereitet.
Für das südbrandenburgische Handwerk kann internationale Fachkräftegewinnung eine wichtige zusätzliche Säule der Fachkräftesicherung werden. Sie ersetzt weder die Ausbildung noch die Nachwuchsgewinnung oder die Weiterbildung eigener Mitarbeiter. Sie kann aber eine wichtige Ergänzung sein, um dem wachsenden Fachkräftebedarf zu begegnen.
Das Beispiel A.A.T. zeigt, wie aus einem ersten Kontakt Bewerbungsgespräche, aus Bewerbungsgesprächen Einstellungen und aus Einstellungen Kollegen werden können.
Der Weg ist nicht leicht. Aber er lohnt sich. Für die Fachkräfte, die sich eine neue berufliche und persönliche Zukunft aufbauen. Für die Betriebe, die qualifizierte und motivierte Mitarbeiter gewinnen. Und für eine Region wie Südbrandenburg, die dringend Fachkräfte benötigt.