Christian Taubert
Einstimmig wählten die Mitglieder der Tischlerinnung Cottbus am 2. März 2026 den Forster Tischlermeister Thomas Kochan (3. v. r.) zum neuen Obermeister. Ebenso einstimmig wurden Tischlermeister Paul Schiementz (2. v. l.) und Stefan Nicklas (r.) neu in den Vorstand gewählt. Tischlermeister Ronald Erdmann (l.), Rodo Domann (3. v. l.) und Tischlermeister Matthias Baum (2. v. r.) unterstützen künftig weiterhin den Vorstand. Der langjährige Obermeister Matthias Jordan erhielt die Ernennung zum Ehrenobermeister.

Thomas Kochan einstimmig als Innungsobermeister gewähltCottbuser Tischlerinnung wählt neuen Obermeister

Tischlermeister Thomas Kochan kennt die Zahlen. Die Innungen und ihre Mitgliederzahl schrumpfen stetig. Bundesweit ist die Anzahl der Innungen nach einer Studie der Bergischen Universität Wuppertal in den Jahren 1996 bis 2024 von 6.674 auf 4.311 zurückgegangen. Um den Handwerkskammerbezirk Cottbus hat diese Entwicklung keinen Bogen gemacht. Am Beispiel der Tischler-Innung hat Thomas Kochan unmittelbar erlebt, wie Unternehmen ganz aufgegeben oder sich aus der Innung abgemeldet haben. »Es hat mir wehgetan, wenn Firmen aus der Innung ausgetreten sind, in denen ich selbst gearbeitet hatte«, sagt der 41-jährige Tischlermeister, der nicht nur seinen Beruf mit Leib und Seele ausübt. Er ist vom ersten Tag seiner Selbstständigkeit an in Forst (Spree- Neiße) Mitglied im Vorstand der Tischlerinnung. Seit 2018 ist er Vorsitzender des Gesellenprüfungsausschusses.

»Ich möchte die Unternehmen im Kammerbezirk aktiv begleiten und gezielt bei den Herausforderungen unterstützen«, betont Kochan, der das Ehrenamt gern übernommen hat – trotz der Doppelbelastung mit seinem Forster Unternehmen. Bisher wurde die Innung von Tischlermeister Matthias Jordan geleitet. Er hat seinen Betrieb in Guben (Spree-Neiße) abgemeldet. Im Mittelpunkt der Innungsarbeit standen bisher Zusammengehörigkeit und Ausbildung. Der Innungsvorstand setzte sich für die Einstellung eines zweiten, jungen Lehrausbilders im Berufsbildungs- und Technologiezentrum der HWK Cottbus ein. Auf diese Weise konnte das wertvolle Fachwissen erhalten und die überbetriebliche Ausbildungsqualität gestärkt werden. Dass die Stärke der Innung erhöht werden muss und die Mitglieder mehr Nutzen für die Firmen haben sollen, damit hat sich Kochan längst beschäftigt.



Kochan

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Aus dieser alten Eingangstür wurde dieses Schmuckstück. 2025 hat die Tischlerei Kochan für ihr Engagement im Denkmalschutz den Bundespreis für Denkmalpflege verliehen bekommen.



Vernetzung sei für ihn das A und O. Dazu zähle auch, Social Media mehr in den Vordergrund zu rücken. Thomas Kochan macht es auf dem Instagram-Kanal seiner Tischlerei vor, wie Kunden angesprochen oder Projekte dargestellt werden. »Insta – das ist das Azubi-Klientel«, verweist er darauf, wie junge Leute angesprochen werden können. Er will in der Innung aber auch darüber informieren, wo es Fördergeld gibt, wie Vorfinanzieren funktioniert oder welche Mittel die Wirtschaftsförderer in Stadt, Landkreis und Bundesland für Tischler-Unternehmen zur Verfügung haben. Er könne sich vorstellen, diese Informationen in einer regelmäßigen geselligen Meister-Runde zu vermitteln. Innungsarbeit sei Selbstverwaltung. Darüber hat der neue Obermeister in mehr als einem Jahrzehnt in seinem Unternehmen und bei der Innung viel gelernt und Neues ausprobiert. Für sein Ausbildungskonzept unter dem Motto »Azubi hilft Azubi«, das auf Kreativität und selbständiges Arbeiten setzt, haben er und sein  Betrieb 2024 den Ausbildungspreis der Handwerkskammer Cottbus erhalten.

Seinen Beruf hat Thomas Kochan in der Spremberger Tischlerei Lehnigk erlernt. Dort erinnert man sich noch gern an den engagierten und voller Ideen steckenden Azubi. Nach jeweils drei Jahren in der Möbeltischlerei Lehnigk, einem Großbetrieb in Krauschwitz, und der Bautischlerei Schulz in Forst »hatte ich das komplette Spektrum meines Berufes kennengelernt«. Als 2013 die Tischlerei Schulz mit zwei Mitarbeitern zum Verkauf stand, übernahm Kochan die Firma und baute sie komplett um und aus. Mit seiner Frau Stephanie investierte er in die Zukunft. Das Betriebsgebäude wurde doppelt so groß, zehn Mitarbeiter, davon drei Meister, sind heute beschäftigt. Dabei machte sich Kochan die Förderung über den JTF-Fonds der Europäischen Union zunutze. Neben der neuen Betriebsstätte von 2019 wird aktuell in eine Trocknungsscheune sowie in ein mobiles Sägewerk, einen Gabelstapler und eine Spänepresse investiert. Mit diesen Anschaffungen stellt das Unternehmen eine durchgängige und effiziente Verarbeitungskette sicher – von der Rohholzgewinnung aus dem
eigenen Wald bis zum fertigen Produkt. Großen Wert legt Thomas Kochan zudem auf den Holzeinschlag nach Mondkalender, was zu einer nachhaltigen, ressourceneffizienten Holzbearbeitung direkt im Betrieb beiträgt.

 

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Lea Renner

Pressearbeit

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Text: Christian Taubert