Sie müssen kein Sprachwissenschaftler werden, um die neue „Azubi-Sprache“ zu verstehen. Ein bisschen Neugier und ein Augenzwinkern reichen oft schon aus.„Digga, das ist cringe!“ – Wie Ausbilder die Sprache der Generation Z besser verstehen
Wer aktuell junge Menschen ausbildet, hat es vielleicht schon selbst erlebt: Im Gespräch mit Auszubildenden fallen plötzlich Begriffe wie „cringe“, „lost“, „flexen“ oder „safe“. Spätestens wenn ein Azubi sagt: „Das war gestern richtig wild“, ist klar – hier wird nicht über einen Baustellenunfall gesprochen, sondern über einen ganz normalen Arbeitstag.
Doch keine Sorge: Sie müssen kein Sprachwissenschaftler werden, um die neue „Azubi-Sprache“ zu verstehen. Ein bisschen Neugier und ein Augenzwinkern reichen oft schon aus.
Warum sprechen Azubis eigentlich so?
Die Sprache junger Menschen war schon immer im Wandel. Heute wird sie jedoch stark durch soziale Medien, Streaming-Plattformen und internationale Einflüsse geprägt. Englisch mischt sich ganz selbstverständlich mit Deutsch, Trends verbreiten sich rasant – und was heute „in“ ist, kann morgen schon wieder „out“ sein.
Für Sie als Ausbilder oder Unternehmer bedeutet das: Die Sprache Ihrer Auszubildenden ist nicht respektlos gemeint, sondern Ausdruck ihrer Lebenswelt.
Ein kleiner „Übersetzer“ für den Betriebsalltag
Damit Sie beim nächsten Gespräch nicht nur Bahnhof verstehen, hier ein kurzer Einblick:
"stabil" - richtig gut
„cringe“ – unangenehm, peinlich
„lost“ – planlos, überfordert
"krank" - extrem stark
"Babo" - der Chef
"Yalla" - los jetzt
"broke" - pleite
"läuft bei dir" - Respekt
„safe“ – sicher, auf jeden Fall
„Digga“ – freundschaftliche Anrede (kein Grund zur Sorge)
„flexen“ – angeben, etwas zeigen
„wild“ – überraschend, krass, außergewöhnlich
„Bro“ / „Bruder“ – ebenfalls freundschaftlich gemeint
"Film schieben" - übertreiben
"auf deinen Nacken" - einen ausgeben
Und wenn ein Azubi sagt: „Das Projekt war lowkey stressig, aber das Ergebnis ist highkey gut“, dann heißt das übersetzt: Es war anstrengend, aber das Ergebnis kann sich sehen lassen.
Humor hilft – aber Klarheit bleibt wichtig
Ein lockerer Umgang mit Sprache kann den Draht zu jungen Menschen stärken. Wer hier und da selbst ein Wort aufgreift (dosiert!), zeigt Interesse und baut Nähe auf. Gleichzeitig gilt: Im beruflichen Kontext – insbesondere bei Kundenkontakt oder schriftlicher Kommunikation – bleiben klare und professionelle Ausdrucksweisen wichtig.
Hier sind Sie als Ausbilder gefragt: Vermitteln Sie, wann welcher Ton angemessen ist.
Sprache als Chance für bessere Ausbildung
Anstatt sich über neue Begriffe zu wundern, lohnt es sich, die Sprache der Azubis als Türöffner zu sehen. Wer versteht, wie junge Menschen kommunizieren, kann Missverständnisse vermeiden und Vertrauen aufbauen.
Ein offenes Gespräch darüber kann übrigens auch ganz praktisch sein:
„Was meint ihr eigentlich, wenn ihr ‚cringe‘ sagt?“ – diese Frage sorgt nicht nur für Aufklärung, sondern oft auch für ein gemeinsames Lachen.
Unser Fazit
Die Sprache der jungen Generation mag auf den ersten Blick ungewohnt erscheinen – sie ist aber vor allem eines: lebendig. Mit etwas Offenheit und Humor gelingt es, Brücken zu bauen und die Zusammenarbeit im Betrieb noch erfolgreicher zu gestalten.
Oder, um es in der Sprache der Azubis zu sagen: Wer seine Azubis versteht, ist als Ausbilder „safe“ gut aufgestellt.
In diesem Sinne: Bleiben Sie neugierig!