Malermeister Uwe Woschech
HWK Cottbus

100 Jahre, die unter die Haut gehen

Die 100-jährige Geschichte des Malereifachbetriebes Woschech aus Burg (Spreewald) ist geprägt von großem Leid und Trauer, von großer Liebe und Leidenschaft zum Handwerk.

In einem Holzschuppen in der Burger Hauptstraße gründete Erich Woschech im Alter von gerade einmal 21 Jahren das Unternehmen. Malerarbeite jeder Art wurden angeboten. Der Ort hatte sich zu diesem Zeitpunkt schon recht gut entwickelt. Mit der Spreewaldbahn kamen Touristen aus Berlin nach Burg gefahren.

Es gab viele Hotels und Gaststätten.  Für Erich Woschech gab es viel Arbeit. Immer wieder musste ein Zimmer gemalert werden. Als dann Anfang der 20er- Jahre die Zeit der Wandergesellen begann, konnten auch größere Aufträge abgearbeitet werden.

Die Leidenschaft für die Malerei entwickelte Erich Woschech im Kinderheim Johannesstift in Berlin-Spandau. „Er, der Halbwaise, hatte dort gute Erzieher, die sein Talent gefördert haben“, erzählt Uwe Woschech. „Im Nachhinein betrachtet war das ein großes Glück, denn Kinderheime waren in jenen Jahren reine Verwahranstalten. Viele Kinder blieben auf der Strecke. Erich Woschech nicht.



Der Krieg änderte alles

Er sorgte dafür, dass die Geschäfte liefen. Und sie liefen gut. Das dritte Auto, das in Burg überhaupt verkauft wurde, gehörte Erich Woschech. Er war auch der erste Trainer einer Fußballmannschaft und er arbeitete für honorige Persönlichkeiten wie dem damaligen Amtsvorsteher Paschke.

Mit der Weltwirtschaftskrise 1929 änderten sich die Zustände. Beinahe stündlich verlor das Geld an Wert. Rechnungen schrieb der Maler keine mehr. Er bekam stattdessen Lebensmittel. Anfang der 30er- Jahre ging es wieder etwas bergauf. 1935 kaufte Erich Woschech ein neues Grundstück. Den alten Holzschuppen – in den die Unternehmensgeschichte begann – nahm er mit. Er wurde auf Rollen zum neuen Standort bewegt und zur festen Werkstatt ausgebaut.

Spätestens mit Beginn des Krieges 1939 änderte sich alles. Erich Woschech musste sein Auto der Wehrmacht überlassen. 1941 wurde er eingezogen. Zum damaligen Zeitpunkt war er dreifacher Vater. Auch hier hatte er großes Glück. Er kam in die Schreibstube, an der Front musste er nicht kämpfen. So kam er 1945 unversehrt nach Hause. Er stieg dann direkt wieder in die Arbeit ein. Möglich machte dies seine Weitsicht. Beim letzten Heimaturlaub nämlich vergrub Erich Woschech sämtliche Werkzeuge auf dem Grundstück und sicherte sie so vor dem Zugriff der Russen.



Malermeister Uwe Woschech Schild
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In den ersten Nachkriegsjahren musste der Maler alleine schuften. Sein Sohn Roland, der in der Kesselschlacht bei Halbe kämpfte, kam nach dem Krieg in polnische Zwangsarbeit. Erst 1949 kehrte er zurück. Danach arbeitete er mit seinem Vater und seinem Bruder Lothar – Letzterer begann seine Lehre im selben Jahr – im Handwerksbetrieb. Da Erichs Schwester in Westberlin wohnte, war der Zugang zu guten Malermaterialien gesichert. Vier Mitarbeiter waren in der Spitze im Unternehmen beschäftigt. Die Arbeiten waren ungleich schwerer als heute. „Damals gab es keine Heizungen. Die Farbe hat nicht getrocknet, alles ging sehr langsam“, erklärt Malermeister Uwe Woschech.

Der Mauerbau in Berlin hätte die Geschichte des Familienunternehmens abrupt enden lassen können. Inhaber Erich Woschech war bei seiner Schwester in Westberlin, um neues Malermaterial zu holen. Als er zurück nach Burg wollte, machten Grenztruppen den Übergang in Berlin-Friedrichsstraße dicht. Sie wollten ihn nicht rüber lassen. Nach der Androhung, dass in dem Fall die Grenztruppen seine Mitarbeiter bezahlen müssten, durfte er dann doch gehen.



Rücken freigehalten

Uwe Woschech, der heutige Inhaber des Familienunternehmens, hat höchsten Respekt vor der Lebensleistung seiner Vorfahren. „Für mich war mein Opa und mein Vater „große Vorbilder. Seit 1988 führt er den Betrieb in dritter Generation. 14 Jahre zuvor, 1974, stieg er in das väterliche Unternehmen ein, absolvierte dort seine Malerausbildung.

„Private Kunden haben uns immer ernährt.“ Zu den wichtigsten Kunden zählen die Spreewaldtherme und das Themenhotel, das ortsansässige Familienunternehmen Strauch sowie die Dachdeckerei Lothar Waske. „Wesentlich zum Erfolg des Unternehmens beigetragen hat auch meine Frau, die mir immer den Rücken freigehalten hat“, betont Uwe Woschech.    

Nach seinem Erfolgsrezept befragt, verweist der Burger auch auf die Verwendung reiner Naturmaterialen. Mit ungewöhnlichen Techniken wie der Sajade-Baumwollbeschichtung oder mit der Verwendung von Schilfgras und Bambus habe er punkten können.

Auch wenn die Corona-Krise mit all ihren Folgen schwer zu ertragen ist: „Im Vergleich zu den Erlebnissen meines Opas und meines Vaters, geht es uns doch vergleichsweise gut“, resümiert Malermeister Uwe Woschech.                         

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