Landratswahl in Elbe-ElsterAmtsinhaber gegen drei Herausforderer in Elbe-Elster
Text: Christian Taubert
Nicht einmal einen Monat nach dem Wahltermin für den neuen Landrat in Oberspreewald-Lausitz entscheiden die Wähler im Nachbarkreis Elbe-Elster ebenfalls über das kommunale Spitzenamt. Gewählt wird der neue Landrat im kleinsten (97.967 Einwohner/Ende 2024) der vier Südbrandenburger Landkreise am 15. Februar 2026. Und es haben vier Kandidaten Ihren Hut in den Ring geworfen. Der amtierende Landrat Christian Jaschinski (58/CDU) steuert dabei seine dritte Legislaturperiode an. Er kennt den Kreis wie seine Westentasche, war bereits 2003 ehrenamtlicher Bürgermeister von Rückersdorf. Im ersten Wahlgang hat er es mit drei Herausforderern zu tun.
So mit Norbert Kleinwächter (39), dessen AfD-Fraktion im Kreistag die Mehrheit hat. Von 2017 bis 2025 war der in Augsburg geborene Kleinwächter Mitglied des Bundestages. Ende 2024 zog er nach Falkenberg um. Die Linke und Bündnis 90/Grüne in Elbe-Elster haben sich mit Christian Nürbchen (40) auf einen gemeinsamen Kandidaten verständigt. Der in Herzberg geborene und in Falkenberg lebende IT-Spezialist war viele Jahre Gewerkschaftssekretär bei der IG Metall. Der vierte Bewerber um das kommunale Spitzenamt ist der parteilose Marcel Schmidt aus Hirschfeld. Dort ist er Mitglied der Gemeindevertretung.
Welche Vorstellungen haben die vier Kandidaten von der Entwicklung des Elbe-Elster-Kreises, welche Schwerpunkte wollen sie setzen? Wir haben sie befragt, auch wie sie Handwerk und Wirtschaft befördern wollen:
Der seit 2010 amtierende Christian Jaschinski will seine Heimat weiterhin „sicher, modern und lebenswert gestalten – für alle Generationen“. Zentrales Vorhaben sei für ihn, „dass die stationäre Gesundheitsversorgung in Elbe-Elster eine starke Zukunft hat“. Grundlage dafür sei das beschlossene 3+1-Modell, das den Neubau eines modernen Klinikums in zentraler Lage mit 300 Betten ebenso vorsieht wie Erhalt und Weiterentwicklung der Standorte Finsterwalde, Herzberg und Elsterwerda zu wohnortnahen Gesundheitszentren. In Bezug auf die Förderung der Wirtschaft lässt Christian Jaschinski keinen Zweifel: „Das Handwerk ist das Rückgrat der ländlichen Wirtschaft und trägt in Regionen wie Elbe-Elster entscheidend zur lokalen Wertschöpfung, zur Schaffung von Arbeitsplätzen und zur Sicherung von Fachkompetenzen bei.“ Die Handwerksbetriebe seien unverzichtbare Partner etwa für die Infrastrukturerhaltung und die Energiewende. „Eine starke Handwerksbranche mit gut ausgebildeten Fachkräften ist deshalb eine strategische Voraussetzung für die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit und Attraktivität des Landkreises Elbe-Elster.“
Norbert Kleinwächter betont, dass sich sein Engagement auf drei Ziele reduzieren lasse: Freiheit, Wohlstand, Lebensqualität. „Nach 15 Jahren Stillstand brauchen wir dringend eine Verwaltung, die diesen Werten dient“, verweist der AfD-Politiker darauf, Bürokratie massiv abbauen und Genehmigungen für Bau und Gewerbe deutlich liberaler vergeben zu wollen. Zudem wolle er sich bei Bund und Land massiv und nachdrücklich dafür einsetzen, die Infrastruktur in Elbe-Elster auszubauen und „unsere Krankenhäuser zu erhalten“. Autobahn und vierspurige Straßen seien die nötigen künftigen Lebensadern des Landkreises. Für Norbert Kleinwächter ist die AfD bundesweit die einzige Partei, die wirklich für Steuersenkungen steht. Der Landkreis mache zwar keine direkte Steuerpolitik, hat aber doch eine wichtige Stellschraube in der Hand: „Je sorgfältiger er wirtschaftet, desto niedriger kann die Kreisumlage werden. Und dann senken die Kommunen die Gewerbesteuer. Genau das ist mein Hebel.“ Kleinwächter kündigt zudem an, dass er die Wirtschaftsförderungsgesellschaft, die der Landrat geschlossen habe, wieder gründen und aktiv Unternehmer anwerben will.
„Mir sind drei Themen besonders wichtig: Ehrenamt, Jugend, Wirtschaft“, erklärt Christian Nürbchen. Gründe dafür sind für den gemeinsamen Kandidaten von Linke und Grünen, dass die Zukunft der Menschen, die hier leben, ökonomisch und sozial abzusichern seien. Zudem gehe es um flächendeckenden Glasfaser- und Mobilfunknetzausbau, einen Ehrenamtsbeauftragten im Landratsamt, ein niedrigschwelliges Onlineportal, damit besonders künftige Azubis den richtigen Job für sich finden können. Nach Auffassung von Christian Nürbchen sei die Verteilung der Steuerlast zwischen kleinen bzw. mittelständischen Unternehmen und großen Konzernen einfach ungerecht. Prozentual zahlt die Zimmerei von nebenan mehr als BMW oder Amazon und Tesla – das darf nicht sein. Obendrein ist die Abschaffung des Lieferkettengesetzes nicht nur für den Gewerkschafter in mir kritisch, sondern dieser Schritt bevorzugt deutlich große Konzerne, zu Lasten der kleineren Betriebe. Der Bund muss schleunigst etwas daran ändern. Und ich will mich als Landrat bei den richtigen Stellen in Bund und Land für Steuergerechtigkeit stark machen.
Der parteilose Marcel Schmidt setzt seine Prioritäten, indem er Brücken bauen möchte: zwischen Stadt und Land, Jung und Alt, Verwaltung und Bürgerschaft. „Wir müssen wieder näher zusammenrücken und den Respekt füreinander stärken. Politik darf nicht spalten – sie muss verbinden“, richtet er den Fokus darauf, dass er sich von den anderen Kandidaten vor allem dadurch unterscheide, „dass ich keine Parteibrille trage, sondern zuhöre und sachorientiert entscheide“. Marcel Schmidt sieht nicht nur steigende Kosten, sondern vor allem Bürokratie und den zunehmenden Fachkräftemangel als eine der größten Belastungen für das Handwerk. „Als Landkreis können und müssen wir hier konkret unterstützen – mit einer praktischen, handwerksnahen Wirtschaftsförderung“, sagt er. Dazu würden zentrale Ansprechpartner, Hilfe bei Förderanträgen, Energieberatung sowie die gezielte Vernetzung der Betriebe untereinander gehören. Gerade kleinere Handwerksbetriebe haben weder Zeit noch Personal, um sich durch den Förderdschungel zu arbeiten. Hier muss der Landkreis Dienstleister sein – nicht Hürde.