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Das Einmaleins der Lehre

Rechte und Pflichten für Auszubildende

Für viele Schulabgänger hat die Ausbildungszeit begonnen. Damit verbunden sind Rechte und Pflichten, die sie kennen sollten. 

Probezeit

In der Probezeit können sich der Ausbilder und der Azubi erst einmal kennenlernen und, wenn sie wollen, ohne Angabe von Gründen kündigen. Die Zeit beträgt mindestens einen Monat und maximal vier Monate. Zu den Pflichten eines Auszubildenden während der Berufsausbildung schreibt der Gesetzgeber: "Auszubildende haben sich zu bemühen, die berufliche Handlungsfähigkeit zu erwerben, die zum Erreichen des Ausbildungsziels erforderlich ist" (§ 13 BBiG). Der Azubi müsse die ihm "aufgetragenen Aufgaben sorgfältig ausführen". Sorgfalt kann der Chef also erwarten, nicht aber Fehlerfreiheit. "Wenn sich jemand als ungeschickt erweist, kann er also deswegen keineswegs rausgeworfen werden", sagt die Düsseldorfer Rechtsanwältin Katia Genkin.

Nach der Probezeit kann der Ausbildungsbetrieb nur noch bei schweren Verstößen des Azubis kündigen - zum Beispiel wegen eines Diebstahls. Rasselt er durch die Abschlussprüfung, hat er sogar einen gesetzlichen Anspruch darauf, dass sich das Berufsausbildungsverhältnis verlängert, wenn er das verlangt - und zwar mindestens bis zur nächstmöglichen Wiederholungsprüfung, höchstens jedoch um ein Jahr.

Will der Auszubildende zwischenzeitlich die Brocken hinwerfen, muss er glaubhaft machen, dass er die Berufsausbildung aufgeben oder sich für eine andere Berufstätigkeit ausbilden lassen möchte. Er hat allerdings die gesetzliche Kündigungsfrist von vier Wochen zu beachten. Wer von heut auf morgen nicht mehr erscheint, macht sich unter Umständen schadenersatzpflichtig.

Arbeitszeit

Jugendliche dürfen nicht mehr als acht Stunden am Tag und 40 Stunden in der Woche arbeiten. Die Dauer der Pausen hat das Jugendarbeitsschutzgesetz ebenfalls geregelt: Bei bis zu sechs Stunden Arbeitszeit am Tag sind dem Azubi 30 Minuten zu gewähren. Muss er länger arbeiten, sind es 60 Minuten. "Als Ruhepause gilt nur eine Arbeitsunterbrechung von mindestens 15 Minuten", heißt es dazu im Gesetz. Ein Ausbilder, der sich nicht um die Freizeitansprüche schert, kann sich strafbar machen (§ 58 JArbSchG).

Urlaub

Die Mindestanzahl der Urlaubstage hat der Gesetzgeber so festgelegt: Je jünger der Azubi, desto höher ist die Anzahl der Urlaubstage, die ihm zustehen. Ist der Jugendliche unter 16, hat er Anspruch auf mindestens 30 Werktage im Jahr. Diese Zahl nimmt mit zunehmendem Lebensalter ab. Der 17-Jährige kann nur noch 25 Tage beanspruchen (§ 19 JArbSchG). Im Tarif- oder Arbeitsvertrag ist aber möglicherweise ein höherer Urlaubsanspruch festgelegt worden.

Versicherungen

Über das Ausbildungsverhältnis erhält der Auszubildende eine eigene gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung. Die Mitversicherung bei den Eltern endet damit. Um die Anmeldung kümmert sich der Arbeitgeber, die Wahl der Krankenkasse trifft zuvor allein der Lehrling. Die Beiträge tragen grundsätzlich Arbeitgeber und Arbeitnehmer je zur Hälfte, bei einer Ausbildungsvergütung von bis zu 325 Euro monatlich zahlt der Arbeitgeber die Beiträge alleine.

Die gesetzliche Unfallversicherung bei einer Berufsgenossenschaft ist eine weitere Pflichtversicherung mit Beginn des Ausbildungsverhältnisses. Sie zahlt nach Unfällen an der Arbeitsstelle oder auf dem Weg dorthin. Die Beiträge dafür hat der Arbeitgeber allein aufzubringen. Auszubildende sollten sich um eine private Haftpflichtversicherung kümmern. Sofern die Eltern eine "Familienpolice" haben, bei der die Kinder mitversichert sind, besteht die kostenlose Mitversicherung noch während der ersten Ausbildung fort. Spätestens mit Ausbildungsabschluss oder bei einer Heirat wird jedoch eine eigene Police notwendig (etwa 80 Euro pro Jahr).

Berichtsheft

Das Berichtsheft, das der Azubi während seiner Lehrzeit führen muss, dient als Ausbildungsnachweis. Ohne dessen Vorlage kann der Lehrling am Ende seiner Ausbildung nicht an der Abschlussprüfung teilnehmen. Es gibt gute Gründe, das Berichtsheft auch im eigenen Interesse sorgfältig zu führen: Besteht der Verdacht, dass der Betrieb den Azubi nicht entsprechend dem Ausbildungsplan einsetzt, kann das Berichtsheft als Beweismittel herangezogen werden. Zu den weiteren Pflichten des Azubis gehört der regelmäßige Besuch der Berufsschule. Das zählt als bezahlte Arbeit. Übersteigt der Unterricht fünf Stunden, muss der minderjährige Auszubildende danach nicht mehr bei seinem Betrieb erscheinen. Allerdings gilt das nur für einen Tag in der Woche.

Übernahme

Der Ausbilder ist verpflichtet, den Auszubildenden innerhalb einer im Ausbildungsvertrag festgelegten Frist zu informieren, ob er in eine Festanstellung übernommen wird. Wird ein Azubi nach der Abschlussprüfung auch nur einen Tag weiterbeschäftigt, hat er bereits einen unbefristeten Job: Werden Auszubildende im Anschluss an das Berufsausbildungsverhältnis beschäftigt, ohne dass hierüber ausdrücklich etwas vereinbart worden ist, gilt ein Arbeitsverhältnis auf unbestimmte Zeit als begründet. Jugendliche dürfen nicht mehr als acht Stunden am Tag und 40 Stunden in der Woche arbeiten. Die Dauer der Pausen ist ebenfalls geregelt. Quelle: Der Tagesspiegel

Hintergrund:
Was ein Azubi zu tun und zu lassen hat, ist zunächst einmal gesetzlich geregelt, und zwar im Berufsbildungsgesetz (BBiG) und im Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG). Außerdem gilt, was im jeweiligen Ausbildungsvertrag geschrieben steht. Darin sind unter anderem die Dauer der Ausbildung, die Höhe der Vergütung, die Arbeitszeit sowie die Urlaubstage festgelegt.