Interview„Die Handwerker-Messe ist nicht mehr unsere Präsentationsplattform“
Es kommt nicht überraschend. Und dennoch ist die Absage der Kreishandwerkerschaft Cottbus/Spree-Neiße für die 35. Handwerkermesse in Cottbus ein herber Verlust. Wenn sich am 24. und 25. Januar 2026 die Messehallen zu dieser Traditionsveranstaltung öffnen, werden 12 Handwerks-Innungen der Region fehlen. Über Ursachen und Hintergründe sprach die HWK Cottbus mit Yvonne Zenke, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Cottbus/Spree-Neiße.
Interview: Christian Taubert
Frau Zenke, Sie haben einst die Handwerkermesse Cottbus mit zum Laufen gebracht – damals noch bei der Cottbus Congress, Messe & Touristik GmbH als CMT-Projektleiterin:
Ja, die Handwerkermesse war mir immer eine Herzenssache. Vor allem: sie weiterzuentwickeln, sie wachsen zu lassen und letztendlich auch in der Durchführung zu betreuen.
Wie hat sich diese Messe im Land Brandenburg eingeordnet?
Sie wurde im Laufe der Jahre zur größten Handwerkermesse in Brandenburg. Die CMT als Ausrichter, die Sparkasse Spree-Neiße, welche die Messe ursprünglich ins Leben gerufen hat, und die Kreishandwerkerschaft Cottbus/Spree-Neiße als bedeutender Partner haben der Messe maßgeblich ihr Profil verliehen. Entscheidend für die Messe war stets, dass der Kreislauf zwischen der Ausstelleranzahl und den Angeboten der Aussteller mit den aktuellen Interessen der Besucher gegeben war. Und das haben wir mit unseren Innungsbetrieben, die sich auf einer Gemeinschaftsfläche präsentierten, viele Jahre geschafft.
Sie sind seit 2023 Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft und mussten nun die Teilnahme aller 12 Innungen an Ihrem „Kind“ absagen. Welche Auswirkungen hat das auf diese Messe?
Diese Frage kann Ihnen nur der Veranstalter, die CMT, beantworten.
Wie fühlen Sie sich mit der Entscheidung?
Diese Entscheidung tut mir besonders weh. Zum einen, weil ich die Ehre hatte, diese Messe über viele Jahre mitzuentwickeln, meine Ideen und mein Herzblut einfließen zu lassen und ihr quasi eine persönliche Note zu geben. Jetzt stehe ich aber auf der anderen Seite der Messe, und zwar mit den Innungsbetrieben – auf der Ausstellerseite. Wie bei jeder anderen Firma auch, finden hier andere Abwägungen statt, in die auch die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen einfließen, sowie das fehlende Personal und die Kraft, um die Messe zu stemmen.
Die Absage ist allerdings keine Entscheidung des Vorstandes der Kreishandwerkerschaft. . .?
Nein, das ist die Entscheidung der übergroßen Mehrheit der 481 Mitgliedsbetriebe. Wir haben sofort nach der Messe 2025 Gespräche mit allen Innungen geführt. Das Fazit war: Diese Messe ist nicht mehr unsere Präsentationsplattform. Ein Grund dafür ist, dass die Handwerker aus den Innungsbetrieben über die Messe keine Aufträge mehr akquirieren und Aufwand und Nutzen in keinem Verhältnis mehr stehen. Allein der zeitliche Aufwand für die Unternehmen, mit der Vor- und Nachbereitung sowie der Durchführung der Messe nimmt etwa 14 Arbeitstage in Anspruch. Die deutlich gestiegenen Kosten – sowohl für das eigene Personal als auch für die Standflächen und Dienstleistungen, spielen ebenfalls eine wesentliche Rolle.
Hätten Gespräche mit dem Ausrichter nicht zu Kompromissen führen können?
Gerade weil wir uns die Entscheidung nicht leicht gemacht haben, sind wir mit der CMT, dem Oberbürgermeister und unserer Handwerkskammer-Präsidentin in den Dialog getreten. Die Vorstellungen und Probleme sind klar kommuniziert worden. Aber die wirtschaftlichen Zwänge sowohl bei der Stadt Cottbus als auch bei der CMT als Veranstalter ließen nur einen kleinen Entscheidungsspielraum zu. Dieser kleine Spielraum im Entgegenkommen bei den Standgebühren war leider nur ein Baustein und reichte nicht aus, um die Innungsbetriebe von einer Teilnahme zu überzeugen. Die angebotenen Aktionsflächen sind in der Fläche kostenfrei, hätten aber so viel Personal in der Aktion gebunden, über welches die Betriebe zurzeit nicht verfügen.
Haben nicht gerade die Innungsbetriebe die Vielfalt dieser Messe ausgemacht?
Ja, selbstverständlich. Deswegen machen wir uns Sorgen, wenn wir als Partner – unterstützt durch den Lehrbauhof, das Berufsbildungs- und Technologiezentrum oder das Oberstufenzentrum – uns aus der Messe zurückziehen. Damit einher geht eine große Vielfalt verloren, die wir vom Schornsteinfeger, über den Ofenbauer, den Metallbauer bis zum Steinmetz und vielem mehr geboten haben. Und diese Vielfalt ist aus der Erfahrung heraus nur schwer zu kompensieren, denn auch die beim Publikum beliebten Wettbewerbe und Prüfungen etwa der Bäcker- und Fleischerinnerung wird es nicht mehr geben.
Die 35.Handwerkermesse legt den Fokus jetzt auf Bauen, Immobilien, Kaufen, Mieten oder Finanzieren. Gibt es ein Zurück zur Messe für die Kreishandwerkerschaft Cottbus/Spree-Neiße?
Wir haben unsere Mitgliedsbetriebe aufgerufen, sich die Messe im Januar anzusehen, um danach zu beraten, wie es möglicherweise mit uns weitergehen kann. Eine reine Präsentation wird es wohl nicht mehr geben. Wir sind uns einig, dass das Handwerk neue Formate braucht. Ob wir sie in Zukunft bei der CMT finden, allein bewerkstelligen oder mit anderen Partnern, das befindet sich derzeit in der Prüfung.