Landratswahl im Spree-Neiße-KreisVier Kandidaten im Rennen um das Landratsamt Spree-Neiße
Text: Christian Taubert
Harald Altekrüger tritt bei der Landratswahl im März 2026 nicht mehr an. CDU, AfD, SPD und Die PARTEI stellen Bewerber.
Nach Oberspreewald-Lausitz und Elbe-Elster sind nun die Wähler in Spree-Neiße aufgerufen, am 8. März über den neuen Chef der Kreisverwaltung zu bestimmen. Dabei steht bereits seit September des Vorjahres fest, dass der amtierende Landrat, Harald Altekrüger (CDU), nicht mehr antreten wird. Zu seinem 70. Geburtstag hatte er verkündet, dass sein Engagement in dieser Funktion nach 15 Jahren im Mai endet. In Altekrügers Amtszeit gab es vom Neiße-Hochwasser über die Flüchtlingskrise bis hin zur Corona-Pandemie oder der Schweinepest eine Reihe von Herausforderungen. Überlagert werden sie jedoch vom Strukturwandel in der Region – der Schließung von weiteren Tagebauen und Kraftwerksblöcken sowie der damit verbundenen Mammutaufgabe, neue Arbeitsplätze zu schaffen.
Es treten vier Kandidaten zur Wahl ins höchste kommunale Spitzenamt an: Die Partei des amtierenden Landrats schickt Martin Heusler (40) ins Rennen. Der Kolkwitzer ist Stabsoffizier der Reserve und derzeit bei der LEAG tätig, wo er das Konferenzcenter Spreewald in Lübbenau leitet. Für die SPD tritt Heiko Jahn (59) an, der seit 2020 Geschäftsführer der Wirtschaftsregion Lausitz GmbH (WRL) ist. Erfahrungen in einer Kreisverwaltung hat er bereits von 2016 bis 2020 als Dezernent im Landkreis Dahme-Spreewald gesammelt. Die AfD, die im Kreistag die stärkste Fraktion bildet, hat Christine Beyer (61) als Kandidatin nominiert. Die aus Forst stammende Kreistags- und Stadtverordnete kommt aus der Wirtschaft und arbeitet als Produktionsmanagerin. Der vierte Bewerber ist Robert Hanschke (41). Er tritt für die Satirepartei, Die PARTEI, an. Hanschke hat 100 Unterstützerunterschriften eingesammelt, um für die Wahl zugelassen zu werden.
Wenn Sie als Landrätin oder Landrat gewählt werden, was wollen Sie dann anpacken, welche Vorstellungen haben Sie von der Entwicklung des Spree-Neiße-Kreises? Welche politischen Schwerpunkte wollen Sie setzen? Wir haben die Kandidaten befragt, auch wie sie Handwerk und Wirtschaft befördern wollen:
»Ich kandidiere mit dem Ziel, den Landkreis Spree-Neiße zukunftsfest zu machen«, sagt AfD-Kandidatin Christine Beyer und fügt hinzu, dass dies mit einer Politik, die sich an den Bedürfnissen der Bürger orientiert – nicht umgekehrt – geschehen soll. Sie setze sich für eine solide Finanzpolitik ein, die Mittel sinnvoll einsetzt und nicht verschwendet. »An unseren Schulen soll jedes Kind ein kostenloses, gesundes Mittagessen erhalten. Bildung, Gesundheit, Sicherheit und Arbeitsplätze stehen für mich im Mittelpunkt.« Nach Ansicht von Christine Beyer »müssen junge Menschen wieder Lust aufs Handwerk bekommen – etwa durch Praktika in Betrieben, Wertschätzung, gute Ausbildung und faire Löhne«. Für die AfD-Kandidatin »ist das Handwerk das Rückgrat unserer Region«. Neben einer Senkung der Mehrwertsteuer brauche es zudem weniger Auflagen, bezahlbare Energie und mehr Nachwuchsförderung.
SPD-Bewerber Heiko Jahn verweist darauf, dass er vor 37 Jahren in der Kohle in Jänschwalde Rohrleitungen geschweißt hat. Darauf sei er stolz. »Heute ‚schweiße‘ ich Wissenschaftler mit Unternehmen zusammen, damit Spree-Neiße etwa zum Forschungsschwerpunkt ‚Carbonfasern‘ entwickelt wird«, zeigt sich Jahn optimistisch, dass die Ergebnisse dieser Forschung den Unternehmen in Spree-Neiße zugutekommen werden. Attraktive und gut bezahlte Arbeitsplätze, höhere Steuereinnahmen für die Kommunen würden daraus resultieren.
»Diese Steuereinnahmen werden wir gut in Bildung, Gesundheit und Infrastruktur investieren«, sagt der SPD-Politiker und schlussfolgert: Spree-Neiße bleibe so Industrieregion – allerdings mit Forschungsschwerpunkt! »Wichtig ist mir der Bürokratieabbau«, betont Heiko Jahn. Ihm sei in vielen Gesprächen mit Handwerksbetrieben klar geworden, »dass es zu viele Vorschriften gibt, deren Basis mangelndes Vertrauen ist«. Es fehle hier erkennbar an Respekt für die Leistung der Handwerker. »Das werde ich ändern«, sagt der SPDKandidat. Mit Blick auf den Fachkräftemangel werde er sich für Ausbau und Modernisierung des Lehrbauhofs der HWK in Großräschen sowie die Stärkung des Berufsbildungs- und Technologiezentrums der HWK in Gallinchen einsetzen.
»Ich will Landrat werden«, sagt Martin Heusler (CDU), »weil ich an unsere Region glaube. Weil ich stolz bin auf das, was hier entsteht – und Verantwortung übernehmen will, damit Spree-Neiße ein starker, lebenswerter Landkreis bleibt. Mein Ziel: das Gute bewahren und besser machen. Konkret bedeute dies unter anderem: Wirtschaft stärken. Handwerk, Mittelstand und Industrie durch moderne Verwaltung und klare Verfahren entlasten.« Was die Verwaltung betrifft, so müsse sie bürgernah, effizient und dienstleistungsorientiert ausgerichtet sein. Mit Blick auf die Förderung der Wirtschaft und des Handwerks sieht der CDU-Kandidat ein wichtiges Signal »in einer Entlastung über die Steuer«. Für Martin Heusler ist dies aber nicht die einzige Stellschraube. Es gehe auch um schnelle Genehmigungen (Fast-Lane-Verfahren, verkürzte Ausschreibeunterlagen – nur der Gewinner muss Nachweise einreichen) sowie eine Verwaltung, die versteht, was Handwerker leisten – und sie nicht ausbremst.
Der Kandidat der Satirepartei (Die PARTEI), Robert Hanschke, will zunächst richtigstellen, dass er sich als Kandidat nicht durchgesetzt, sondern etwas zu spät hingesetzt habe. »Und jetzt stehe ich da und muss Fragen beantworten, die niemanden wirklich interessieren«, sagt Hanschke, dessen Partei die Satire nutzt, um das politische System zu parodieren. Persönlich finde er, dass man nach zehn Jahren im Bildungswesen auch mal etwas anderes frustrierendes, aber vielleicht besser vergütetes und nicht so anstrengendes machen kann.