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"Wir kommen zurück zu unseren Wurzeln"

Interview des Monats

Die Deutsche Bank AG unterstützt seit Jahren den Zukunftspreis Brandenburg. Im Interview mit dem Deutschen Handwerksblatt sagt Patricia Dost, Leiterin Geschäftskunden Brandenburg-Ost, wie Unternehmen begleitet und welche Herausforderungen bewältigt werden.

DHB: Frau Dost, der Zukunftspreis bietet die Möglichkeit, überregional für das Land zu werben. Wie attraktiv ist Brandenburg aus Ihrer Sicht für Unternehmen?

Patricia Dost: Ich sehe da ein sehr positives Umfeld insbesondere für Gründer und Unternehmer. Im Land gibt es eine sehr große Bereitschaft, Firmen zu unterstützen. Wir arbeiten sehr gut mit der Wirtschaftsförderung (WFBB), der Investitionsbank des Landes (ILB), der Bürgschaftsbank und mit den Kammern zusammen, um die Unternehmen entsprechend zu begleiten. Was man nicht unterschätzen darf: Wir haben in Brandenburg kurze Wege. Ich kann durch unsere Netzwerke und Veranstaltungen relativ schnell an die Verantwortlichen herankommen und Dinge auf kurzem Weg klären.

DHB: Das Firmenkundengeschäft nimmt innerhalb der Deutschen Bank eine wichtige Position ein. Es soll künftig noch mehr gestärkt werden. Wie sind Sie in dem Bereich derzeit aufgestellt?

Patricia Dost: Wir sind in Brandenburg drei Teams mit insgesamt 30 Kundenbetreuern und Produktspezialisten. Sie kümmern sich um die Bedürfnisse der Geschäfts- und Firmenkunden. Darüber hinaus haben wir ein Beratungscenter in Berlin, das besonders für kleine Gewerbetreibende zur Verfügung steht – auch an Samstagen. 

Grundsätzlich sind wir breit aufgestellt. Das zeigt sich in unserer Kundenstruktur. Wir betreuen mittelständische Unternehmen, Freiberufler, kleinere Betriebe aber auch große, multinational agierende Firmen. Letztere wurden bislang durch unsere Investmentbank betreut. Künftig werden alle diese Kunden aus dem neuen Geschäftsbereich „Unternehmensbank“ betreut. Damit kommt die Deutsche Bank ihrem Kerngeschäft, für das sie vor 149 Jahren gegründet wurde, wieder sehr nahe. Wir kommen zu unseren Wurzeln zurück.

DHB: Einer Umfrage der Kreditanstalt für Wiederaufbau zufolge, ist der Kredit für Unternehmen immer noch die wichtigste Finanzierungsform. Wofür geben Ihre Kunden Geld aus?

Patricia Dost: Am Ende für alles. Das beginnt bei Anlagefinanzierungen über Gewerbe- bis hin zu Betriebsmittelkredite, Geschäftserweiterungen und Existenzgründungen. Zunehmend nachgefragt werden Finanzierungen von Unternehmensnachfolgen. Das ist für uns ein absoluter Schwerpunkt geworden. Jede Nachfolge ist anders. Da spielen auch Emotionen eine große Rolle. Der Übergeber, der sein Lebenswerk in andere Hände gibt. Der Nachfolger, der alles finanzieren muss. Das ist jedes Mal eine komplett andere Situation und eine große Herausforderung. Der stellen wir uns gerne. Hier investieren wir viel in die Weiterbildung unserer Mitarbeiter. Hier kommen unsere Stärken als Beraterbank zum Tragen. 

DHB: Ein in Ostdeutschland immer wieder viel diskutiertes Thema: Wie ist es aus ihrer Sicht um die Eigenkapitalstärke der Unternehmen bestellt?

Patricia Dost: Wir sehen derzeit eine relativ hohe Eigenkapitalstärke in den Unternehmen. Sie hat sich über die vergangenen Jahre bei den meisten Unternehmen kontinuierlich verbessert. Wir merken das ganz deutlich daran, dass die Inanspruchnahme der Betriebskreditlinien zurückgegangen ist, weil zum großen Teil ausreichend Liquidität in den Betrieben vorhanden ist. Die Unternehmen haben das positive Marktumfeld genutzt, um sich entsprechende Polster zu bilden.

Etwas anders sieht das bei Gründern und bei Nachfolgefinanzierungen aus. Da ist es immer eine Kombination aus Eigenkapital, Krediten und Förderinstrumenten oder Bürgschaften.

DHB: Das Geschäft bei der Bürgschaftsbank ist dank guter Konjunktur, Niedrigzinsen und durch attraktive Kreditangebote von Banken zurückgegangen. Kommen die Unternehmen leichter an Kredite?

Patricia Dost: Das ist ganz verschieden. Bei einigen Banken ist sehr viel Liquidität vorhanden. Dort hat man andere Sichtweisen auf Risikobewertungen, Kredite werden leichter vergeben. Ich weiß nicht, ob das für die Betriebe immer gut ist.Viele Unternehmen, die sich in den letzten Jahren ein finanzielles Polster geschaffen haben, sind expandiert. Das ist erstmal sehr schön. Jetzt aber kommen einige aufgrund des Fachkräftemangels an den Punkt, dass sie ihre Kapazitäten nicht auslasten können und damit möglicherweise ins Schlingern geraten.

DHB: Wie ist die Philosophie in Ihrem Team?

Patricia Dost: Wir arbeiten viel mit der Bürgschaftsbank zusammen. Ich könnte es mir leicht machen und für eine Geschäftsfinanzierung eine Sicherheit auf ein privates Einfamilienhaus geben lassen. Das ist nicht unser Weg.

DHB: Die Lausitz steht in den kommenden Jahren vor einem großen Umbruch. Welche Rolle kann die Deutsche Bank im Strukturwandel spielen?

Patricia Dost: Eine relativ große Rolle, denke ich. Wir sind über unsere Netzwerke inhaltlich gut aufgestellt. Zudem haben wir eigene Experten-Teams. Eines davon ist „Greentech“. Es besteht aus erfahrenen Spezialisten, die mit der Branche der Umwelttechnologie, insbesondere der erneuerbaren Energien, vertraut und regionsübergreifend tätig sind.

In die Lausitz wird künftig viel Geld fließen und viel neu gebaut werden. Eine gute Infrastruktur und die Verfügbarkeit von Fachkräften sind Voraussetzung, damit sich in der Region neue Unternehmen ansiedeln und die bestehenden Firmen wachsen können. Wir als Beraterbank stehen in diesen Fällen mit unserer gesamten Expertise bereit.

Die Basis aber muss eine gut funktionierende Infrastruktur sein. Das bestätigen uns auch immer wieder unsere Kunden. Dabei geht es nicht nur um Straßen und Schienenwege, sondern um schnelles Internet, um Kita- und Schulplätze und um Freizeitangebote.

DHB: Das Handwerk leider unter großem Nachwuchsmangel. Wie sieht es in Ihrer Branche aus?

Patricia Dost: Wir haben in Ostdeutschland eine Ausbildungsoffensive gestartet. Wir sind auf Messen und Ausstellungen präsent, um junge Menschen eine Ausbildung schmackhaft zu machen. Darüber hinaus wurde ein Studentenkompass entwickelt. Damit geben wir jungen Menschen eine Studien- und Berufsorientierung. Deutsche Bank Mitarbeiter begleiten das ehrenamtlich als Mentoren.

Viele Branchen suchen Auszubildende. Das gibt es einen harten Wettbewerb um die besten Köpfe. Für Brandenburg geht es am Ende darum, Familien ins Land zu holen und eine berufliche Perspektive zu geben. Jeder neue Arbeitsplatz erhöht auch für das Handwerk die Chance, neue Aufträge zu generieren.   Das Interview führte Michel Havasi

 Im Bild:

Patricia Dost, Leiterin Geschäftskunden Brandenburg-Ost bei der Deutsche Bank AG.



Patricia Dost Zukunftspreis Brandenburg
Deutsche Bank AG



 Zum Zukunftspreis:

Zwölf Unternehmen haben die Chance, den „Zukunftspreis Brandenburg“ 2019 zu gewinnen. Sie wurden von der Jury für das Finale am 22. November im Holiday Inn Berlin Airport Conference Centre in Schönefeld nominiert. Dort werden dann die sechs Preisträger gekürt. Hinzu kommt der Sonderpreis für einen Unternehmer, der sich in besonderer Weise um die brandenburgische Wirtschaft verdient gemacht hat.

  www.zukunftspreis-brandenburg.de



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