Felix Götze von der G&B Automatisierungstechnik GmbH & Co.KG
HWK Cottbus

"Wir stehen als Handwerksbetrieb in Konkurrenz zu großen Konzernen"

Interview des Monats zum Thema BIG Digital

Die G&B Automatisierungstechnik GmbH & Co.KG  ist Dienstleister für die Industrie im Bereich Elektrotechnik. Das Familienunternehmen aus Elsterwerda (Elbe-Elster) hat mit dem Förderprogramm BIG Digital seine internen Prozesse optimiert und viele Bereiche modernisiert. Im Interview nennt Elektromeister Felix Götze, Leiter der Betriebsverwaltung, die Gründe dafür und was es gebracht hat.

DHB: Herr Götze, Sie haben BIG Digital, das Förderprogramm des brandenburgischen Wirtschaftsministeriums, in Ihrem Unternehmen eingesetzt. Wofür genau?

Felix Götze: Es ging um drei Bereiche, die wir optimieren wollten.
1. Die Betriebsverwaltung, inklusive Rechnungs- und Personalwesen, hinsichtlich effizientes und papierfreies Büro.
2. Die Fachplanung. Hier geht es um die „automatisierte“ Erstellung von Stromlaufplänen.
3. Die Modernisierung unserer IT-Struktur und Implementierung neuer Schnittstellen, um von außen auf unser System zugreifen zu können.

DHB: Wann haben Sie mit dem Projekt angefangen?

Felix Götze: Anfang letzten Jahres haben wir uns damit gedanklich erstmals befasst. Im Herbst begann die konkrete Umsetzung. Ende April war das Projekt abgeschlossen.

DHB: Hat es sich gelohnt?

Felix Götze: Auf jeden Fall. Für unsere Mitarbeiter haben wir jetzt eine digitale Zeiterfassung. Vorher hatten wir Stundenzettel. Jetzt melden sich die Mitarbeiter am Computer, am Terminal oder mit dem Handy im System an. Am Ende drücken wir einen Knopf und die Stundenabrechnung wandert digital zu unserer Lohnbuchhaltung.

Im Bereich Stromlaufplanung sind wir einen guten Schritt weitergekommen. Ziel ist, dass´die Pläne mithilfe eines modularen Baukastensystems eines Tages automatisiert erstellt werden können – also dass man nicht jedes Detail manuell in den Plan einfügen muss.

Darüber hinaus haben wir unsere IT-Infrastruktur wesentlich modernisiert. Wir haben einen neuen Server angeschafft, mit hoher Datenspeicherkapazität und virtuellen Laufwerken. Auf den virtuellen Laufwerken können wir die Stammdaten unserer Lieferanten zeitgemäß einbinden. Und wir haben einen externen Zugriff auf unser System ermöglicht. Damit sind zum Beispiel unsere Programmierer in der Lage, von Baustellen aus auf interne Daten zuzugreifen.

DHB: Was war aus Ihrer Sicht das Wichtigste bei der Umsetzung des Förderprojektes? Worauf sollte man achten?

Felix Götze: Man muss sich ausreichend Zeit nehmen, um die internen Prozesse zu analysieren und den IST-Zustand zu ermitteln. Die Implementierung der Software war ebenfalls eine große Herausforderung, die einen hohen Schulungs- und damit auch Kostenaufwand erforderte. Hier hat der BIG Digital im Vergleich zu anderen Förderprogrammen einen großen Vorteil. Man kann einen Teil der Personalkosten, zum Beispiel für die Antragstellung und Umsetzung, abrechnen. Ganz wichtig ist auch, die Mitarbeiter auf dem Weg mitzunehmen und sie in die Prozesse einzubinden.

DHB: Apropos Mitarbeiter. Elf sind im Unternehmen beschäftigt. Viele Handwerksbetriebe suchen händeringend Personal. Sie auch?

Felix Götze: Auf jeden Fall. Unsere Kapazitäten sind dieses Jahr schon nahezu erschöpft. Leider mussten wir auch schon einigen Kunden absagen. Wir wollten das nicht, aber wir haben keine Fachkräfte, um die Aufträge abzuarbeiten. Bei größeren Projekten für die Anlagenund Maschinenbauer sind wir bis zu einem Jahr ausgelastet. Wir suchen händeringend Fachkräfte. Das ist die Herausforderung, der wir uns stellen.

DHB: Wie gestaltet sich die Suche nach geeignetem Personal?

Felix Götze: Schwierig. Dass, was wir suchen, wird relativ schlecht ausgebildet. Die Ingenieure oder Handwerksmeister, die zu uns kommen, bringen noch nicht das mit, was sie bei uns brauchen. Sie müssen intern noch weitergebildet werden. Das kann durchaus mehrere Monate dauern.

DHB: Was suchen Sie genau?

Felix Götze: SPS-Programmierer, Roboter-Programmierer und Elektroplaner.

DHB: Klingt nach Spezialisten, die auch von größeren Unternehmen umworben werden?

Felix Götze: Ganz genau. Wir stehen als kleines Handwerksunternehmen mit elf Mitarbeitern auf dem Arbeitsmarkt in Konkurrenz zu großen Konzernen, die auch Personal suchen. Da sind wir auf einem guten Weg, Potenziale zu erkennen und zu erschließen. Wir arbeiten darüber hinaus hart daran, auf dem Markt vergleichbar zu werden. Hier spielt uns der Ruf Brandenburgs als Niedriglohnbundesland nicht gerade in die Karten. Von diesem Image müssen wir wegkommen.

DHB: Wie können Sie im Vergleich zu den Großen punkten?

Felix Götze: Bei uns ist alles familiärer. Wir duzen uns alle, haben ein gutes soziales Miteinander. Zudem haben wir ein Gleitzeitkonto eingeführt. Damit können die Mitarbeiter individueller ihre alltäglichen Herausforderungen meistern.

DHB: Sie sind Dienstleister für die Industrie, arbeiten im Bereich Sondermaschinenbau. Lösungen von der Stange gibt es nicht, zu jederzeit sind individuelle Lösungen gefragt. Wie drückt sich das in der Belegschaft aus?

Felix Götze: Wir haben viele Spezialisten in unserem Team. Spannend war zu sehen, wie sie sich entwickelt haben. Der Berufsabschluss oder der Grad der Ausbildung ist dabei nicht zwingend entscheidend. So gibt es Facharbeiter, die sehr gute Softwareentwickler geworden sind. Dann gibt es wiederum Ingenieure, die sehr gute Praktiker geworden sind, die also die Anlagen auf den Baustellen vor Ort in Betrieb nehmen. Da muss auch mal eine Leitung in einem Schaltschrank um- oder neu eingeklemmt werden.

DHB: Gute Mitarbeiter zu haben, ist die eine Sache. Sie auf diesem Level zu halten, eine andere...

Felix Götze: Ja, wir bilden unsere Mitarbeiter regelmäßig weiter. Lebenslanges Lernen ist bei uns im Unternehmen gelebte Realität. Die Kunden werden immer anspruchsvoller. Die Technik entwickelt sich rasant weiter. Wir sind von unseren Lieferanten mehr oder weniger „gezwungen“, uns weiterzuentwickeln, am Ball zu bleiben, um auch künftig Spezialisten zu bleiben.

 Zum Unternehmen

Die Ingenieure Reinhard Götze und Joachim Bosse gründeten 1992 in einer Garage das Unternehmen. Die G&B Automatisierungstechnik GmbH & Co.KG ist ein Spezialbetrieb für umfassende Softwarelösungen in der Automatisierungstechnik.

Neben SPS- und Roboterprogrammierung werden die Kunden durch Beratung, Planung oder Projektleitung im Sonder-, Serienmaschinen- und Anlagenbau unterstützt. Als erfahrener Dienstleister für die Automobilindustrie und die holzverarbeitende Industrie setzt man auch umfangreiche internationale Projekte nach Konzernstandards zeitgerecht um.



 Zum BIG Digital

Damit werden Unternehmen bei der Finanzierung von Maßnahmen unterstützt, die darauf ausgerichtet sind, betriebliche Abläufe auf Innovationspotenziale durch Digitalisierung zu analysieren, dafür geeignete Lösungen zu entwickeln und diese zu imple­mentieren. Die Unterstützung umfasst ebenfalls die notwendig werdende Qualifizierung der ei­genen Mitarbeiter.

Zuwendungsempfänger sind KMU mit Sitz oder mindes­tens einer organisatorisch eigenständigen Betriebsstätte im Land Brandenburg, unabhängig dem aktuellen Koordinierungsrahmen der GRW. Die Zuwendung wird zweckgebunden in Form einer Pro­jektförderung als Zuschuss für den BIG-Digital (Module Beratung, Implementierung und Schulung) sowie bis zu 50 Prozent gewährt.

Die Förderhöchstsumme beträgt für das Modul Beratung 50.000 Euro, für das Modul Implementierung 500.000 Euro und für das Modul Schulung 50.000 Euro.

Mehr Infos: www.hwk-cottbus.de/digital



 Ansprechpartner

Matthias Steinicke
Beauftragter für Innovation und Technologie

Telefon 0355 7835-106
Telefax 0355 7835-284
steinicke--at--hwk-cottbus.de





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