Polen

Arbeitnehmerfreizügigkeit: Ängste unbegründet

Vor acht Jahren waren die Sorgen in der Lausitz groß. Viele Unternehmen befürchteten, dass Tausende Polen nach Südbrandenburg kommen, um dort zu arbeiten. Heute zeigt sich, dass die Befürchtungen unbegründet waren. Im Gegenteil.

In der Tat konnte damals niemand genau sagen, wie viele Menschen ab dem 1. Mai 2011 aus Polen, Tschechien, Slowakei, Slowenien, Ungarn, Estland, Lettland und Litauen nach Südbrandenburg kommen, um dort zu arbeiten. An jenem Tag trat die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit für die acht Staaten in Kraft, die 2004 der EU beigetreten sind. Deutschland öffnete nach einer sieben Jahre langen Übergangsfrist als eines der letzten EU-Länder seine Pforten für Arbeitnehmer aus Ost- und Mitteleuropa.

Und heute? 310 Personen mit polnischer Nationalität sind derzeit in der Handwerksrolle eingetragen, die als Inhaber, Gesellschafter, Geschäftsführer oder Betriebsleiter im Handwerk tätig sind. Das sind gerade einmal 2,6 Prozent. Und auch bei den Arbeitnehmern zeigt sich, dass die Lausitz höchstens zur Durchreise genutzt wurde. Das geht aus den Zahlen der Agentur für Arbeit, Regionaldirektion Berlin-Brandenburg hervor. Demnach sind rund 24.000 Polen in Brandenburg beschäftigt. Das sind gut 2,8 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten.

Neben den Skeptikern gab es damals aber auch schon etliche Unternehmen, die die Chance erkannten, junge polnische Nachwuchs- und Fachkräfte auszubilden bzw. anzuwerben.
Tomasz Konradowski von der ASG Asphalt Straßenbau Gesellschaft mbH aus Kolkwitz ist so ein Beispiel. Mit Mut und festem Willen lernte er den Beruf Tiefbaufacharbeiter, Fachrichtung Straßenbauarbeiten. Für seine außergewöhnlich guten Leistungen wurde er als „Lehrling des Monats“ ausgezeichnet, wurde anschließend sogar Landessieger in seinem Gewerk.

Seit 2011 haben insgesamt 20 polnische Jugendliche die Ausbildung im südbrandenburgischen Handwerk erfolgreich beendet. Sieben befinden sich derzeit noch in der Ausbildung.