Wahl am SonntagDienst-ältester Wahlbeamter Brandenburgs bekommt Nachfolger

Die Landkreise sind deutschlandweit bei den Kommunalfinanzen in einer dramatischen Schieflage. Von 294 Landkreisen haben inzwischen 251 einen defizitären Haushalt. Darauf hat der Vorsitzende des Brandenburger Landkreistages, Siegurd Heinze (64/parteilos), verwiesen. In seinem Interview für die „Märkische Allgemeine“ fügte er hinzu, dass mittlerweile alle 14 Landkreise in Brandenburg unausgeglichene Haushalte haben. An die Bundespolitik gewandt fordert Heinze, „den Turbomotor zu zünden und für die schnelle und nachhaltige Arbeitsmarktintegration von Bürgergeld-Empfängern und anderen erwerbsfähigen Leistungsberechtigten zu sorgen“. Zudem müsse die Kernforderung des Deutschen Landkreistages umgesetzt werden, indem zwei Prozent mehr Umsatzsteuer direkt an die Kommunen gehen müssen.

Selbst wird Siegurd Heinze, der Landrat von Oberspreewald-Lausitz, diese Forderungen an die Landes- und Bundespolitik nicht mehr umsetzen können. Denn er tritt nach 16 Jahren im Amt zur Wahl des neuen Landrates am 11. Januar 2026 nicht mehr an. Als Dienst-ältester Wahlbeamter Brandenburgs (seit 1993) ist für ihn der geeignete Zeitpunkt gekommen, die Nachfolge in verantwortungsvolle Hände zu legen. Vom Kreiswahlausschuss Oberspreewald-Lausitz sind Anfang November drei Kandidaten dafür zugelassen worden.



So wird für die CDU Alexander Erbert, Beigeordneter und Dezernent für Gesundheit, Jugend und Soziales der Stadtverwaltung Schwarzheide antreten. Die AfD schickt die Rechtsanwältin Antje Ruhland-Führer (parteilos) aus Schwarzheide ins Rennen. Und der Lübbenauer Softwareentwickler Dr. Evgeni Kivman soll für die Tierschutzpartei um das kommunale Spitzenamt im Landkreis kämpfen.



Fotografie Steffen Rasche

Alexander Erbert will neben den begonnen und noch geplanten Strukturwandelprojekten den Fokus auf die Unterstützung des Mittelstandes sowie der Landwirtschaft als dem wirtschaftlichen „Maschinenraum“ der Region legen. Und er fügt hinzu, dass der Landkreis enger Partner der Unternehmen und Handwerksbetriebe bleiben wird und sie nach Kräften etwa bei Bauprojekten und deren Genehmigungsverfahren sowie bei Förderprogrammen unterstützen werde. Mit Blick auf den scheidenden Landrat Siegurd Heinze betont er, „wenn die Rahmenbedingungen stimmen, dann geht es auch dem Handwerk und der Wirtschaft gut“. Er möchte die Gesundheitsversorgung im Landkreis durch den Ausbau der Sana Kliniken Niederlausitz zum Zentrum der Akut- und Notfallmedizin stabilisieren. Der Spreewald und das Lausitzer Seenland gehören zu den touristischen Highlights in Brandenburg. Gerade im Seenland würden noch immense Potenziale liegen. Mit der geplanten Freigabe des Seenverbundes und weiterer Überleiter im Sommer 2026 liegen auch maritime Industrieansiedlungen auf der Hand.





Für seine parteilose Konkurrentin Antje Ruhland-Führer, die für die AfD antritt, steht die Stärkung des Handwerks und des Mittelstands als Rückgrat der regionalen Wirtschaft ebenfalls im Mittelpunkt. Sie setzt dabei auf konsequenten Abbau von Bürokratie, schnellere Genehmigungsverfahren, eine wirtschaftsfreundliche Kreisverwaltung sowie eine solide Haushaltsführung ohne ideologische Experimente. Das Handwerk brauche aus ihrer Sicht „keine Symbolpolitik, sondern planbare Rahmenbedingungen, Wirtschaftsfreiheit und Respekt vor unternehmerischer Leistung. „Ich stehe für eine pragmatische, bürgernahe Politik, die Leistung wieder belohnt und nicht durch immer neue Auflagen bestraft.“ Ihr zentrales Ziel sei ein Landkreis, der zuverlässig funktioniert, investiert statt verwaltet und seinen Betrieben wieder echte Perspektiven bietet.

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Aus der Sicht von Dr. Evgeni Kivman sei es besonders wichtig, bereits in der Schule das Thema Handwerk stärker zu fördern, ebenso die allgemeine Berufsorientierung. „Wir müssen anfangen, viel mehr Fördermittel auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene für den Landkreis zu beantragen, aber auch die Städte und Gemeinden und die Unternehmen bei der Beantragung zu unterstützen“, erklärt der Kandidat der Tierschutzpartei. Alle diese Maßnahmen würden dazu beitragen, dass die Finanzlage des Landkreises zumindest langfristig wieder besser werde. Die Daseinsvorsorge müsse verbessert werden. Es gehe darum, weitere Unternehmen anzusiedeln und die Landwirtschaft dabei zu unterstützen, wetterresistentere Pflanzen anzubauen sowie die Kontrollen in der Massentierhaltung zu verstärken.



 

 

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