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Handwerk gegen niedrige EU-Ausbildungsstandards "durch die Hintertür"

Der Binnenmarktausschuss des Europäischen Parlaments hat am Mittwoch für den Berichtsentwurf zur Berufsanerkennungsrichtlinie gestimmt. 32 Abgeordnete stimmten für den Entwurf der französischen Berichterstatterin Bernadette Vergnaud (S&D), vier dagegen, zwei enthielten sich. Dazu erklärt ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke:  

„Das Abstimmungsergebnis ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Allerdings müssen aus Sicht des Handwerks zwei Punkte eindeutig geklärt werden. Erstens sehen wir die partielle Einführung des Herkunftslandprinzips bei der grenzüberschreitenden Dienstleistungserbringung äußerst kritisch. Beauftragt beispielsweise ein Unternehmen einen Subunternehmer mit einem Auftrag jenseits der Grenze, so müssen für diesen Subunternehmer auch in Zukunft zumindest gewisse Mindestqualifikationen in zulassungspflichtigen Berufen sichergestellt werden.Umgehungstatbestände dürfen nicht legalisiert werden.   

Zweitens sind Nachbesserungen dringend notwendig, um das duale Ausbildungssystem leistungsfähig zu erhalten. Das gilt vor allem hinsichtlich eines europaweit gemeinsamen Ausbildungsrahmens. Die duale Ausbildung stößt im Ausland zunehmend auf Interesse: Deutsche Handwerkskammern kooperieren mit ihren Schwesterorganisationen in Spanien und Italien, dortige Unternehmen wollen ihre Lehrlinge künftig ebenfalls systematisch in Theorie und Praxis ausbilden. Das duale Ausbildungssystem hat sich in Deutschland bewährt und auch in Krisenzeiten seinen Praxistest bestanden.  

Umso weniger Grund gibt es, einen europaweiten Ausbildungsrahmen zu schaffen, der neben die bereits bestehenden nationalen Ausbildungssysteme treten würde. Es ist ein Widerspruch, wenn einerseits die hochwertige duale Ausbildung in Deutschland gelobt wird und andererseits in Kauf genommen wird, dass ihre Standards nach unten nivelliert werden. Der ZDH unterstützt ausdrücklich die Abgeordneten, die parteiübergreifend mit Änderungsanträgen auf diese Gefahr hingewiesen haben. Hier müssen alle Befürworter des dualen Systems wachsam bleiben. Niedrigere Ausbildungsstandards darf es nicht geben – auch nicht durch die Hintertür.“