Neujahrsempfang 2019
Foto Goethe

Mehr Wertschätzung für das Handwerk gefordert

Neujahrsempfang in Cottbus

Rund 300 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft waren zum Neujahrsempfang der Handwerkskammer Cottbus (HWK) gekommen. Im Meistersaal am Altmarkt wurde Tacheles geredet. HWK-Vizepräsidentin Corina Reifenstein forderte mehr Wertschätzung für das Handwerk ein.

"Was wir brauchen, sind vernünftige Perspektiven und die Chance, Geld zu verdienen.  Wir brauchen wieder eine Gründermentalität. Die beginnt schon mit der Achtung und der Wertschätzung gegenüber dem Unternehmertum in der Gesellschaft. Die Rechnung ist einfach: Geht es der Wirtschaft gut, geht es auch der Region gut", sagte die Bauunternehmerin.

"Das Handwerk ist stark. Die knapp 9.800 Unternehmen mit ihren rund 45.000 Mitarbeitern und 1.700 Lehrlingen erwirtschafteten 2018 über 4 Milliarden € Umsatz. Wir sind ein bedeutender Wirtschaftszweig. Nur zu oft fehlt uns jedoch die Anerkennung für den großen Beitrag, den wir für Südbrandenburg leisten. Da wünsche ich mir persönlich eine höhere Wertschätzung, insbesondere von der Politik. Durch die Jahrhunderte hindurch wurde das Handwerk geehrt. Heute kann man das leider nur noch selten wirklich erkennen."

Bezogen auf den Strukturwandel befürchtet sie einen Verlust an Kaufkraft. "Wenn die Perspektiven und die Rahmenbedingungen in der Region nicht mehr stimmen, werden wir tendenziell auch immer weniger junge Menschen haben, die hier bleiben. Wo weniger Nachwuchskräfte, da weniger Fachkräfte. Das Unternehmerpotenzial sinkt. Nichts gegen das mit knapp elf Millionen Euro geförderte neue Gründerzentrum für Cottbus. Aber es braucht mehr als ein Gebäude und „Coworking Space“, um Menschen dazu zu bewegen, in die Selbständigkeit zu gehen, so die Vizepräsidentin.

Nimmt man Hendrik Fischer (SPD), Brandenburgs Wirtschaftsstaatssekretär, beim Wort, dann passt zwischen die Brandenburger Landesregierung und die Handwerkerschaft im Süden des Landes „kein Blatt Papier“ – so groß ist die Einigkeit.

Erst dann, wenn es einen klaren Fahrplan für den Strukturwandel gebe, könne ein Kohleausstieg festgezurrt werden, sagte Hendrik Fischer in seiner Rede vor den Lausitzer Handwerkern. „Für die Struktur­entwicklung braucht die Lausitz vier Dinge: erstens ausgereifte Investitionsprojekte, zweitens Geld – vor allem vom Bund –, drittens ein operatives Dach, um dieses Geld zu managen, und viertens ausreichend Zeit“, sagte Fischer. Für ihn stehe fest, dass die Lausitz am Ende des Tages als „Gewinnerin“ aus dem Prozess des Strukturwandels hervorgehen müsse.

In ihren Erwartungen sind sich Handwerkerschaft und Landespolitik damit einig. Und zusammen blicken sie jetzt mit Hochspannung nach Berlin, wo zuerst die Kohlekommission und letztlich die Bundesregierung die Weichen für die Lausitzer Wirtschaftszukunft stellen müssen.