Erwin Wodicka - wodicka@aon.at

Mehrheit begreift digitalen Wandel als Chance

Der größte Teil der Unternehmen in Deutschland plant, in den kommenden zwei Jahren Digitalisierungsmaßnahmen durchzuführen. Das geht aus einer aktuellen Umfrage hervor.

Knapp 42 Prozent geben in der Unternehmensbefragung 2017 an, Investitionen in die Digitalisierung fest eingeplant zu haben. Ein Viertel der Unternehmen ist noch unentschieden, ein Drittel sieht keine Digitalisierungsmaßnahmen vor. Zu den Vorreitern der Digitalisierung zählen die Unternehmen des Groß- und Außenhandels. Mehr als zwei Drittel von ihnen wollen in den kommenden 24 Monaten entsprechend investieren. Neun von zehn Unternehmen nennen als eines ihrer Motive für die Digitalisierung, die Chancen der neuen Technologien nutzen zu wollen. Für zwei Drittel der Unternehmen ist dies sogar der einzige Grund für ihre Aktivitäten.

Neben der Nutzung von Chancen nennen die Unternehmen konkrete Forderungen von Kunden, Wettbewerbsdruck am Markt und Druck in der Wertschöpfungskette als Antriebsfaktoren für Digitalisierungsmaßnahmen.

Deutliche Unterschiede zeigen sich in der Befragung zwischen größeren und kleinen Unternehmen: Während knapp 80 Prozent der Unternehmen mit mehr als 50 Mio. EUR Jahresumsatz Digitalisierungsmaßnahmen planen, tun dies nur rund 27 Prozent der Unternehmen mit weniger als 1 Mio. EUR Jahresumsatz.

Junge Unternehmen äußern sich deutlich zurückhaltender als ältere; nur 32 Prozent der jungen Firmen wollen in absehbarer Zeit in die Digitalisierung investieren. Ein Grund hierfür könnte sein, dass junge Unternehmen häufiger bereits mit modernen Technologien starten und daher in ihren Anfangsjahren seltener als ältere Unternehmen einen Nachholbedarf haben. Junge Unternehmen berichten auch seltener über die Nutzung von Chancen als Grund für ihre Digitalisierungsmaßnahmen, sie nennen hingegen stärker äußere Faktoren wie Forderungen von Endkunden oder Wettbewerbsdruck als Motiv.

Bei der Durchführung von Digitalisierungsmaßnahmen sehen sich die Unternehmen mit verschiedenen Hemmnissen konfrontiert. Die mit 33 Prozent am häufigsten genannten Schwierigkeiten betreffen die Anpassung der Unternehmens- bzw. Arbeitsorganisation bei der Umstellung auf eine stärker digitalisierte Arbeitsweise. Weitere Hemmnisse sind Anforderungen an Datensicherheit und Datenschutz (31 Prozent) und mangelnde IT-Kompetenzen im Unternehmen bzw. Verfügbarkeit von IT-Fachkräften auf dem Arbeitsmarkt (28 Prozent). Mit Werten zwischen 26 und 28 Prozent folgen eine mangelnde Qualität der Internetverbindung, etwa was Geschwindigkeit und Stabilität betrifft, Schwierigkeiten bei der Umstellung der bisherigen IT-Systeme sowie die Unsicherheit über zukünftige Technologien und Standards.



Digitalisierung im Handwerk

Sind die Handwerksbetriebe in Deutschland fit für die digitale Zukunft?
Die Digitalisierung ist im Handwerk angekommen. Viele Betriebe nutzen schon vernetzte Lösungen, Software oder Produktionstechnik. Das Handwerk war immer innovativ und gleichzeitig traditionsbewusst. Diese Verbindung zeichnet es aus. Die Mehrheit der Handwerksbetriebe begreift den digitalen Wandel als Chance.

 

Wie unterstützt der ZDH den Digitalisierungsprozess?
Um Handwerksbetriebe bei der Erschließung technischer und wirtschaftlicher Potentiale im Digitalisierungsprozess zu unterstützen, haben wir 2016 das  Kompetenzzentrum Digitales Handwerk auf den Weg gebracht. Es informiert bundesweit Unternehmer aus dem Handwerk über die betrieblichen Einsatzmöglichkeiten digitaler Technologien und leistet Hilfestellung bei der praktischen Umsetzung in den Betrieben. Interessierte Unternehmer können sich auf der Homepage des Kompetenzzentrums unter www.handwerkdigital.de über aktuell relevante Fragestellungen informieren und gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum etwa Unternehmensabläufe neu strukturieren, online-gestützte Dienstleistungsangebote und Geschäftsmodelle entwickeln oder die Möglichkeiten der ortsungebundenen Kommunikation erproben.

 

Welche politischen Forderungen formuliert das Handwerk – auch an die künftige neue Bundesregierung -, um die Betriebe beim Schritt in die digitale Zukunft zu unterstützen?
Gerade im Hinblick auf die Bundestagswahl im Herbst hat das Handwerk eine ganze Reihe von Forderungen in Bezug auf den digitalen Wandel formuliert. Dazu gehört, den Breitbandausbau schneller voranzutreiben. Alle Betriebsstandorte brauchen einen Internetzugang mit Bandbreiten im Gigabitbereich, um auch künftig wettbewerbsfähig zu bleiben. Handwerksunternehmen benötigen zudem gleichberechtigten Zugang zu Daten, die für ihre Geschäftstätigkeit wichtig sind. Das betrifft unter anderem Bereiche wie das Kfz-, Gesundheits- oder Elektrohandwerk, wo softwarebasierte Lösungen eingesetzt und vermarktet werden. Nicht zuletzt muss die Digitalisierung noch stärker in der Qualifizierung Berücksichtigung finden, das heißt in Schule, Aus- und Weiterbildung.

Interview: Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks

Die Befragung wurde aktuell zum sechzehnten Mal unter Unternehmen aller Grö-ßenklassen, Branchen, Rechtsformen und Regionen durchgeführt, wobei erstmals eine Umfrage zur Digitalisierung in die Verbändeumfrage integriert wurde. An der Erhebung nahmen insgesamt 18 Fach- und Regionalverbände der Wirtschaft teil. Sie erfolgte im Zeitraum zwischen Mitte Dezember 2016 und Mitte März 2017.



Die Unternehmensbefragung 2017 - Digitalisierung der Wirtschaft: Breite Basis, vielfältige Hemmnisse steht unter www.kfw.de/unternehmensbefragung zum download zur Verfügung.