HWK Cottbus

Mit viel Liebe zum Detail

Junger Sattlermeister belebt altes Handwerk

28 Sattler- und Feintäschner gibt es derzeit im Kammerbezirk. Tendenz sinkend. Umso schöner ist es, wenn sich junge Menschen diesem traditionellen Handwerk annehmen. so wie Andreas Faust aus Guben.

Vorsichtig legt der Handwerksmeister ein Stück roten Teppich in den Innenraum des Oldtimers. Noch passt es nicht genau. Andreas Faust muss noch etwas ändern. Gesagt, getan. Dann legt er wieder an. Jetzt passt es perfekt. Mit viel Geduld und mit ruhigem Händchen arbeitet sich der 38-Jährige Stück für Stück durch den alten Mercedes.

Andreas Faust ist Sattler- und Feintäschnermeister. Keiner seiner ehemaligen Klassenkameraden hat diesen Weg eingeschlagen. Es ist eher selten, dass junge Menschen traditionelle Handwerksberufe ergreifen. Und auch Andreas Faust hatte erst etwas anderes gelernt.

Nach der Schule machte er eine Lehre zum Gerüstbauer bei der Firma Geilich in Guben. Nach neun Jahren in diesem Beruf zog er zu seiner Freundin nach München und schlug einen zweiten Bildungsweg ein. Auch der Beruf des Gerüstbauers machte ihm Freude, doch die Neugier und Leidenschaft für das Sattlerhandwerk überwiegte. Er ging in die Lehre (2004 -2007), absolvierte in Regensburg seine Meisterprüfung (2012), obwohl es in dem Gewerk seit 2005 gar nicht mehr notwendig ist, den Meister zu machen. Doch Andreas Faust ist überzeugt vom Qualitätssiegel des Deutschen Handwerks.  „Einfach kann jeder, ich aber bin Meister“, sagt er. Damit will er auch seine Kunden überzeugen.

Seit Oktober 2014 ist Faust selbstständig. Aus Heimatverbundenheit und auch wegen der Familie zog er mit seiner Lebensgefährtin und seinem Kind aus München wieder zurück in die alte Heimat, nach Guben.  Hier in der Neißestadt gründete der Handwerksmeister sein eigenes Unternehmen.

Seine Kunden kommen überwiegend aus der Oldtimerszene. Zurzeit arbeite Faust an einem alten Mercedes. Dieser wird in traditioneller Weise, so originalgetreu wie möglich wieder hergerichtet. Der Boden des Innenraumes, die Erneuerung des Verdeckes sowie Bezug der Sitze, Seiten- und Türverkleidungen gehören zu den Sattleraufgaben. Als Vorlage dienen ihm alte schwarz-weiß Bilder. Andreas Faust kommt damit gut zurecht. „Man braucht als Sattler ein gutes Vorstellungsvermögen, viel Fingerspitzengefühl und vor allem Geduld“, beschreibt der Familienvater. Es ist wahrlich kein Beruf für hektische Menschen.

In seiner Freizeit bastelt er – wie soll es anders sein – gern an seinem Oldtimer, einem Karmann Ghia Baujahr 1969. An seinem Schatz erneuerte er die Innenausstattung in stundenlanger Detailarbeit. Hin und wieder nimmt Andreas Faust damit auch an Oldtimerausfahrten teil. Zeigen was man hat, gehört zur Szene dazu.          

Bildunterschrift: Cabrioverdecke, Innenräume von Oldtimern und modernen Autos, Sitze und Sitzbänke von Motorrädern, Stühle, Sessel u.v.m.: Sattler- und Feintäschnermeister Andreas Faust liebt seine Arbeit. Der 38-Jährige hat sich bewusst für das traditionelle und vom Aussterben