Unternehmensnachfolge Dahmeland Bau
HWK Cottbus

Unternehmensnachfolge per Handschlag

Mehr als 2.000 Handwerksbetriebe im Süden Brandenburgs suchen einen Nachfolger. Die Dahmeland Bau GmbH aus Zeesen (Dahme-Spreewald) wurde übergeben – für Matthias Trzeciok ein Glücksfall.

Der 54-jährige Stuckateur- und Maurermeister hatte 2003 das Unternehmen gegründet. Er investierte viel Kraft und noch viel mehr Zeit, um seinen Traum von der Selbstständigkeit erfolgreich zu gestalten. „Ich habe von Null angefangen“, erinnert er sich. Schritt für Schritt baute der Familienvater sein Unternehmen aus. Die Zahl der Mitarbeiter stieg von vier auf heute 21. Sie erwirtschafteten zuletzt einen Umsatz von rund 5,1 Millionen Euro.

Bis vor kurzem war Matthias Trzeciok noch Inhaber des Baubetriebes. Jetzt ist er angestellter Geschäftsführer. Der Grund: Er verkaufte Ende Januar sein Unternehmen an den in der Hauptstadt ansässigen mittelständigen BBF Konzern. Dessen Gesellschafter / Geschäftsführer Jesús Comesaña Macias suchte nach einem Partner aus dem Bereich Hochbau, um die Unternehmensgruppe zu stärken. Normalerweise zieht sich so ein Geschäft über mehrere Monate und mitunter Jahre. In dem Fall ging alles ganz schnell. Schon beim zweiten persönlichen Treffen wurde der Verkauf per Handschlag vereinbart.



Mittelstand hochhalten

Matthias Trzeciok und Jesús Comesaña Macias ticken ähnlich. Sie legen beide Wert auf hohe Qualität und Tugenden wie Fleiß, Sorgsamkeit, aber auch Demut. Sie stehen zu ihrer gesellschaftlichen Verantwortung, sie fördern das Unternehmertum und Mitarbeiter, die die Unternehmensphilosophie weitertragen.

In einem Workshop im Oktober 2019 bekam Matthias Trzeciok erste Informationen zum Thema Nachfolge. Fünf bis sieben Jahre dauert in der Regel so ein Prozess. Innerhalb der Familie und der Belegschaft fand sich niemand, der die Firma weiterführen wollte. So entschied er sich für den Verkauf.

Hilfe bekam er von der Handwerkskammer Cottbus. Deren Mitarbeiter bewerteten das Anlagevermögen, erstellten ein  Exposé und veröffentlichten das Unternehmen in der  Onlinebörse „Nexxt Change“. Schnell fanden sich vier Interessenten, die aber aus Sicht von Trzeciok nur oberflächliche Absichten hatten.



Das Zwischenmenschliche stimmt

Der BBF Konzern suchte in der Zeit einen gut geführten mit-telständischen Betrieb. Über die Handwerkskammer wurde schließlich der Kontakt hergestellt. „November 2020 haben wir uns das erste Mal getroffen“, erzählt Jesús Comesaña Macias. Die Chemie hat von Anfang an gestimmt. Seit 27 Jahren ist der gebürtige Spanier, der schon mit zwei Jahren nach Deutschland kam, selbstständig und beschäftigt rund 100 Frauen und Männer.

Er stammt aus einer Arbeiterfamilie und ist der Einzige, der den Weg in die Selbstständigkeit eingeschlagen hat. „Wir planen und entwickeln Flächen in Berlin und Brandenburg.“ Rund 800 Hektar sind im Besitz des Unternehmens. 60 bis 70 Hektar – unter anderem in der Nähe von Spremberg (Spree-Neiße) – werden derzeit baureif entwickelt. „Anfangs haben wir die Flächen für Auftraggeber entwickelt. Seit den 2000er Jahren machen wir das in Eigenregie.“ 2012 kam die Tiefbausparte hinzu. „Mit Dahmeland Bau haben wir unser Portfolio um den Hochbau erweitert“, so Jesús Comesaña Macias. Gesucht wird noch ein Betrieb aus dem Bereich Gebäudetechnik.



Auftragsmangel gibt es nicht

Die Signale des BBF Konzern stehen auf Wachstum. Zum geschäftlichen Erfolg trägt seit dem 28. Januar nun auch die Dahmeland Bau GmbH bei. An Aufträgen mangelt es dem Unternehmen nicht. „Wir arbeiten vorrangig in Berlin“, sagt Geschäftsführer Matthias Trzeciok. Das Leistungsspektrum reicht vom schlüsselfertigen Bauen über spezielle Abdichtarbeiten bis hin zu hochwertigen Klinkerarbeiten. Überwiegend werden Mehrfachkunden (Wohnungsbaugenossenschaften) aus dem öffentlichen und halböffentlichen Sektor bedient.

Wann sich Matthias Trzeciok ganz aus dem Geschäftsleben zurückzieht, ist noch offen. Er will mehr Zeit mit der Familie, die zum Teil in der Schweiz lebt, verbringen. Für mindestens drei Jahre bleibt er noch Geschäftsführer bei Dahmeland Bau. In dieser Zeit wollen er und Jesús Comesaña Macias eine junge Führungsmannschaft aufbauen, die die Zukunft der erfolgreichen Unternehmen gestaltet.

 Bereit für die Übergabe? Los geht's...!



Seit Anfang 2020 setzt die Handwerkskammer Cottbus das EFRE-geförderte Projekt
„Sensibilisierung Unternehmensnachfolge“ aktiv um. Zur Zielgruppe gehören Betriebe, deren Inhaber älter als 55 Jahre sind.

Neben der direkten Ansprache der Geschäftsführer wird unter anderem über eine regelmäßige Veranstaltungsreihe mit Expertenbei trägen auf das Thema aufmerksam gemacht. Typische Fragestellungen des Nachfolgeprozesses – wie zum Beispiel: Was ist aus steuerlicher Sicht zu berücksichtigen? Welche Wege und Möglichkeiten gibt es, um Steuern zu sparen? Wer kommt als Nachfolger in Frage und wie finde ich die passende Persönlichkeit? – werden aufgegriffen und nicht nur fachtheoretisch, sondern praxisnah und sofort umsetzbar dargestellt.

Rund 100 Handwerksunternehmen haben das Angebot bereits genutzt. Entwickeln auch Sie mit uns Ihren individuellen Nachfolgefahrplan. Im gemeinsamen Gespräch zeigen wir Ihnen auf, welche Schritte notwendig sind, welche Möglichkeiten Sie haben, wie Sie den Übergabeprozess strukturiert planen und umsetzen. Für einen entspannten Weg in die Zukunft.



 Hier finden Sie Unterstützung

Daniela Delert HWK Cottbus

Daniela Delert
Mitarbeiterin Unternehmensnachfolge für den Landkreis Dahme-Spreewald

Telefon 03375 2525-61
Telefax 03375 2525-62
delert--at--hwk-cottbus.de



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