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Wirtschaft und Politik wollen gemeinsam Fachkräftenachwuchs sichern

Ministerpräsident Dietmar Woidke und die Spitzenvertreter der brandenburgischen Wirtschaftskammern sehen in der Sicherung des Fachkräftenachwuchses eine entscheidende Voraussetzung für die weitere erfolgreiche Entwicklung des Landes. Woidke und die Spitzen der Industrie- und Handelskammern sowie der Handwerkskammern erörterten bei ihrem traditionellen Treffen am Donnerstag in Potsdam auch Fragen zur Existenzgründungs- und Unternehmensnachfolge sowie zur Berufs- und Studienorientierung und zum Ausbau des Dualen Studiums im Land.

Woidke: „Der vertrauensvolle Austausch mit den Kammern ist mir sehr wichtig. Sie haben ihr Ohr an der Brandenburger Unternehmerschaft, sie sind Sprachrohr und Multiplikator zugleich.“ An dem Gespräch nahmen auch Wissenschaftsministerin Martina Münch, Infrastrukturministerin Kathrin Schneider, Wirtschaftsminister Albrecht Gerber und Bildungsstaatssekretär Thomas Drescher teil.

Woidke warb eindringlich für den Ausbau Dualer Studiengänge: „Sie können den Unternehmen helfen, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Die Vorteile liegen auf der Hand. Unternehmen gewinnen frühzeitig motivierte, hochqualifizierte Nachwuchskräfte. Zugleich kann durch die wissenschaftliche Bearbeitung unternehmerischer Fragen in Praxis-, Projekt- oder Abschlussarbeiten ein Technologie- und Wissenstransfer erfolgen. Zudem erhalten Studierende von Anfang an einen tiefen Einblick ins Unternehmen, sind integriert und haben ein regelmäßiges Einkommen.“

Er nannte als größte Herausforderung, für kleine und mittelständische Unternehmen passgerechte Angebote zu finden: „Vor allem diese Betriebe wollen wir als Partner gewinnen; das geht nur in Zusammenwirken mit den Kammern, den Universitäten und Hochschulen.“

Die Zahl der dualen Studienangebote hat sich seit Beginn der Ausbauaktivitäten am Anfang der Legislaturperiode von 10 auf 29 fast verdreifacht. Nahezu alle Brandenburger Universitäten und Hochschulen bieten derartige Bachelor- und Masterstudiengänge an. Unterstützung geben dabei der Landesbeirat „Duales Studium“ als Expertengremium und wichtiger Impulsgeber sowie die im Vorjahr gegründete „Agentur Duales Studium Brandenburg“ mit Sitz in Brandenburg a. d. H. . Sie hat zum Thema die Broschüre „Informationen für Unternehmen“ aufgelegt.

Eine weitere Grundlage für die richtige Berufs- oder Studienwahl ist es, dass Mädchen und Jungen am Ende ihrer Schulzeit eine an ihren Fähigkeiten, Interessen und Zielen orientierte Berufs- oder Studienwahlentscheidung treffen können. Sie sollte auch berufliche Anforderungen und Perspektiven in den Blick nehmen.

Beate Fernengel, Präsidentin der IHK Potsdam und Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft der IHKs des Landes Brandenburg (LAG): betonte: „Das Land hat mit der Strategie zur Berufs- und Studienorientierung einen wichtigen Aufschlag erarbeitet. Nun gilt es, die gewonnenen Erkenntnisse und Empfehlungen in allen Schulen in den Städten und Landkreisen umzusetzen. Unabhängig davon fordern wir als Wirtschaft die Landesregierung auf, sich auf Bundesebene für eine grundlegende Erneuerung der deutschen Schullandschaft einzusetzen. Dazu gehört auch ein einheitliches Abitur in der ganzen Republik.

Die IHKssind mit ihrer beruflichen Bildung dafür das beste Beispiel. Neben unserer unermüdlichen Arbeit – auch für die Berufsorientierung mit Schülern, Eltern und Lehrern - muss auch die Politik ihren Beitrag leisten, um Sicherheit zu vermitteln und Brandenburg im Bildungswettbewerb nach vorn zu bringen.“

Vertreter der Handwerkskammern verwiesen darauf, dass Existenzgründungen Wettbewerbsmotor für die regionale Wirtschaft sind, die durch innovative Ideen auch bestehende Unternehmen herausfordern. Viele der nach 1990 in Brandenburg gegründeten Unternehmen stünden vor einem Generationenwechsel.

Robert Wüst, Präsident der HWK Potsdam und Präsident des Handwerkskammertages des Landes Brandenburg, sagte dazu: „Allein im brandenburgischen Handwerk stehen in den nächsten 10 Jahren über 9.000 Betriebsübergaben an. Nur mit entsprechender wirtschaftspolitischer Unterstützung für junge Nachfolgerinnen und Nachfolger wird es gelingen, diese Unternehmen mit ihren Arbeits- und Ausbildungsplätzen zu sichern. Brandenburg braucht zukunftsorientierte Ansätze, um Neugründungen zu fördern und bestehende Betriebe zu erhalten.

Mit der Meistergründungsprämie im Handwerk ist in Brandenburg ein erster wichtiger Schritt gemacht. Doch das reicht angesichts der Herausforderungen nicht. Es braucht gerade im Hinblick auf die Erhaltung des Betriebsbestandes und der Gewinnung möglicher Nachfolger weitere schnell greifende Unterstützungsinstrumente. Eines davon muss die berufliche Bildung betreffen: Auf dem Papier ist die akademische und berufliche Bildung bereits gleichwertig;  jetzt braucht die berufliche Bildung aber auch eine Gleichbehandlung bei den Rahmenbedingungen, die zu den Abschlüssen führen. Während das Studium kostenlos ist, bleiben Meisterschülerinnen und Meisterschüler auf einem großen Teil ihrer Kosten sitzen. Wer Gleichwertigkeit will, muss aber der beruflichen Bildung die gleiche Wertschätzung entgegenbringen und sie auch gleichermaßen fördern.“

Michel Havasi
Pressearbeit

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