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Frauen tun den Männergesellschaften gut!

Interview des Monats

Dem Handwerk mangelt es an Fachkräften. Umso mehr muss das Potenzial von Frauen noch stärker erschlossen werden. Das DHB sprach mit dem  Vorstand des Arbeitskreises „Unternehmerfrauen im Handwerk“.

DHB: Im Juni 1992 gründete sich der Arbeitskreis in der Cottbuser Bahnhofstraße. Wie kamen Sie dazu?

Vorstand: Der Arbeitskreis ist eher zu uns gekommen. Wir waren die ersten, die den Betriebswirte-Lehrgang bei der Handwerkskammer absolvierten. In der DDR waren wir Frauen ein Anhängsel, wenn wir bei unseren Männern gearbeitet haben.  Das war damals auch sozialversicherungsrechtlich nicht alles abgesichert, das war ziemlich schlimm. Wir haben gedacht, dass wir das vielleicht ändern können, wenn wir die neue Gesellschaftsordnung haben.

DHB: Im Grunde war es also die Motivation, etwas ändern zu wollen?

Vorstand: Ja und vor allem auch wieder eine eigene Frauengruppe zu haben. In den Berufsgruppen früher waren die Frauen meist nur mal zu einem Kegelabend eingeladen, wenn überhaupt. Dann gab es einmal im Jahr eine Veranstaltung zum Frauentag. Das war es. Wir aber wollten etwas anderes machen. Wir wollten, dass sich die Frauen weiterbilden können. Das war der Hauptgrund für die Gründung unseres Arbeitskreises. Und das Thema ist auch heute noch aktuell. Es gab und es gibt immer wieder Anlässe, sich weiterzubilden.

DHB: Viele Organisationen kommen und verschwinden wieder. Ihr Arbeitskreis hingegen steht wie eine starke Eiche im Wind. Was macht Ihre Vereinigung so besonders?

Vorstand: Uns gibt es jetzt seit 25 Jahren und doch haben wir schon wieder so viele Ideen für das Jahr 2018. Wir müssen die Ideen mangels Zeit eher zurückstellen, als krampfhaft nach welchen zu suchen. Über 300 Veranstaltungen und mehrtägige Reisen haben wir seit 1992 durchgeführt. Dazu gehörten unzählige Weiterbildungen in vielen Bereichen, wie Recht, Psychologie, Steuern, Rhetorik. Daneben genießen wir auch kulturelle Veranstaltungen, aus denen wir viel Kraft ziehen. Das Schönste aber sind die Gespräche miteinander.

DHB: Kommunizieren Sie anders als Männer?

Vorstand: Ganz klar ja! Wir sprechen hier auch über Sachen und Problemen in unseren Firmen, worüber die Männer nie sprechen würden. Wenn sich Männer unterhalten, ist das immer wie ein Wettbewerb. Schwachstellen würden sie nie zugeben. Wir schon. Da wir aus verschiedenen Branchen kommen, profitieren wir alle von diesen Gesprächen.

DHB: Eine Forderung des Bundesverbandes ist, dass mehr Frauen in die erste Reihe treten und Verantwortung in Unternehmen übernehmen. Teilen Sie diese Ansicht?

Vorstand: Ja. Frauen tun den ganzen Männergesellschaften gut. Sie haben eine ganz andere Intention, eine ganz andere Denkweise und bringen ganz andere Aspekte in die Vorgänge ein. Die ganze Unternehmenskultur verändert sich.

DHB: Was genau unterscheidet Frauen von Männern in ihrem Handeln?

Vorstand: Die Frau ist ein Stück weit diplomatischer und sozialer eingestellt. Da wird eben auch mal ein Kuchen mitgebracht und sich zusammengesetzt, wenn man merkt, hier ist einer schlecht drauf. Das macht ein Mann als Unternehmer nicht so vordergründig. Zudem sehen Frauen die Konflikte eher. Wir sind dann weniger Chef, sondern eher Seelsorger.

DHB: Das sind augenscheinlich viele Vorteile, die Frauen gegenüber Männern haben. Doch derzeit wird nur etwa jeder fünfte Betrieb in Deutschland von einer Frau übernommen. Da geht mehr, sagt Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries. Was muss das Handwerk tun, um attraktiver für Frauen zu werden?

Vorstand: Das fängt in der Gesellschaft an. In welcher Fernsehserie sieht man denn eine Frau im Handwerk – mal abgesehen von einer Friseurin? Was wir brauchen sind Vorbilder. Das heißt, man müsste viel mehr an die Frauen herangetragen, dass ein Handwerksberuf eben auch etwas für Frauen ist. Wir brauchen mehr positive Beispiele von Frauen als Unternehmerin, gerade in Bau- oder technischen Berufen. Mit dieser Werbung müsste im besten Fall schon im Kindergarten begonnen werden. Steter Tropfen höhlt den Stein. Viele Mosaiksteine führen zum Erfolg.

DHB: Ein Punkt, der besonders jüngeren Menschen immer wichtiger zu werden scheint, ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Wie ist da das Handwerk aus Ihrer Sicht aufgestellt?

Vorstand: Das ist nicht so einfach. Wenn z.B. jemand wegen Elternzeit für Monate ausfällt, braucht man Ersatz. Ein kleiner Betrieb – und das sind ja viele im südbrandenburgischen Handwerk – kann das nur schwer kompensieren. Dennoch ist ein Umdenken spürbar. Wenn eine neue Generation am Ruder sitzt, werden sie diese Dinge auch anders machen. Wir aus der DDR kommend wollten erst mal einen Betrieb aufbauen. Wir haben richtig Gas gegeben. Heute legt man mehr Wert auf Zeit für die Familie. Das ist schön. Und doch wird nicht jeder Handwerksunternehmer bei dem Thema laut Beifall klatschen.

DHB: Ein kleiner Blick voraus: Was sind die Ziele des Arbeitskreises für die nächsten Monate?

Vorstand: Wir wollen weiter bestehen, den Generationenwechsel einleiten und jüngere Mitglieder finden. Jede Frau aus dem Handwerk ist herzlich eingeladen. 

Bildunterschrift:
Der Arbeitskreis „Unternehmerfrauen im Handwerk“ feierte im Juni 25-jähriges Jubiläum. Mit 18 Mitgliedern 1992 gestartet, sind heute 37 Frauen in der Organisation aktiv. In Zukunft will man noch mehr junge Frauen gewinnen und den Generationenwechsel im Verein einleiten. Zum Vorstand derzeit gehören: Gudrun Waske (Vorsitzende), Martina Brunzel (1. stellv. Vorsitzende), Kathleen Bubner (Vorstandsmitglied), Jana Gerber (Vorstandsmitglied) und Monika Wagner (Vorstandsmitglied)                                                          



Zitate:

„In welcher Fernsehserie sieht man denn eine Frau im Handwerk – mal abgesehen von einer Friseurin?“

„Wir aus der DDR kommend wollten erst mal einen Betrieb aufbauen.“ Vorstand des Arbeitskreises „Unternehmerfrauen im  Handwerk“



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