HWK Cottbus

Handwerker sind offen für Digitalisierung

Beispiele, die zeigen, wie es geht

Die Digitalisierung schreitet voran und entscheidet zunehmend über Erfolg und Misserfolg von Unternehmen. Durch den Wandel wird es nun zunehmend auch der Industrie ermöglicht, ihre Produkte und Dienstleistungen kundenindividuell zu fertigen und somit klassische Marktsegmente des Handwerks zu bedienen. Das Handwerk gerät daher unter steigenden Wettbewerbsdruck – und reagiert.

Multicopter, die Aufnahmen von Dächern und Mauerwerken machen, Software-Lösungen, die in Sekundenschnelle den Materialbedarf von Dachziegeln, Fliesen und Farben berechnen oder Metallbauer, die ihren Kunden mit VR-Brille Zaun-Varianten vor dem eigenen Haus demonstrieren: Für viele Unternehmen ist das noch Zukunftsmusik, doch die Gesellschaft entwickelt sich unweigerlich in diese Richtung. Die Handwerkskammern in Cottbus und Dresden begleiten ihre Mitgliedsbetriebe eng auf den Weg in die digitale Zukunft. Die nachfolgenden Unternehmensbeispiele zeigen, wie vielfältig die Auswirkungen von Digitalisierung für das Handwerk sind und wo sie schon gelebt wird.



Beispiel 1: Anlagenmechaniker setzt auf papierloses Büro

Jürgen Lindow aus Jessern, Gemeinde Schwielochsee, gründete 1990 einen Sanitärfachbetrieb. Von A wie Abwassertechnik bis S wie Solaranlagen reicht die breite Palette an Dienstleistungen. Überwiegend werden haustechnischen Anlagen im Sanitär- und Heizungsbereich saniert oder modernisiert. Einen großen Raum nehmen der Kundendienst und die Wartung moderner Anlagen ein.

Vor vier Jahren digitalisierte der mehrfache Handwerksmeister und Betriebswirt sein Unternehmen. „Im Prinzip benötigt kein Monteur von uns mehr ein Blatt Papier. Wir leben und arbeiten in der digitalen Welt“, sagt Jürgen Lindow. Was heißt das konkret:  Jeder Geselle - drei sind es an der Zahl - hat sein persönliches iPhone und iPad Air.

„Wenn ein Kunde eine Anfrage stellt, bekommt der verantwortliche Mitarbeiter einen Datensatz mit Termin, Kontaktdaten, Anfahrtsbeschreibung, Historie, Daten und Auftrags- und Anlagenbeschreibungen zugestellt“, erklärt der Chef. Mit einer entsprechenden App kann er vor Ort der Auftrag direkt abarbeiten. Material, Anfahrtkosten usw. werden dem Kunden digital überlassen. Wenn er unterschrieben hat, schickt der Monteur den Datensatz zurück ins Büro. Die Erstellung der Rechnung ist jetzt nicht mehr zeitintensiv, da alle Daten digital vorliegen. Übertragungsfehler lassen sich so minimieren.

Wichtig: Alle Infos werden zudem als Historie hinterlegt.  Auch das Bestellwesen konnten wir mit dem Einsatz der digitalen Technik deutlich beschleunigen und vereinfachen. So ist jeder Mitarbeiter in der Lage, das benötigte Material beim Lieferanten zu ordern. Selbstverständlich sind auch hier alle Informationen im System hinterlegt und mit wenigen Klicks aufrufbar.

Neben der Effizienz hat das papierlose Büro für Jürgen Lindow noch einen ganz anderen positiven Effekt: Es schont Ressourcen. „Als Handwerker tragen wir eine besondere Verantwortung für unsere Umwelt“, so Lindow. „Umweltschutz beziehen wir nicht nur auf die von uns montierten Produkte, sondern auch auf sämtliche Abläufe und Tätigkeiten in unserem Unternehmen. Er ist ein Bestandteil der Philosophie der Firma.“



Beispiel 2: Präzision der Kommunikation

„Ich liebe es Tischler zu sein, weil ich es liebe, Vorstellungen von Lebensräumen zu entwickeln und zu verwirklichen. Die Digitalisierung ist dazu ein vielseitiges Werkzeug, das einerseits eine höhere Genauigkeit in der Planung und anderseits eine größere Präzision in der Umsetzung herstellt. Das ist notwendig, um genau das einzigartige Ergebnis zu erreichen: einen Raum, in dem man ganz SEIN kann.“ Das sagt Nico Deutschmann, Geschäftsführer von dieMeisterTischler aus Wilsdruff bei Dresden.

DieMeisterTischler nutzen die Werkzeuge der Digitalisierung, zur Visualisierung von Ideen in 3D, zur Präzision der Kommunikation mit ihren Mitarbeitern und Kunden, zur Prozesskoordination – wie auch zur Absicherung der Planung und Umsetzung. Diesen Prozess haben sie intern optimiert. Auch VR-Brillen zur Visualisierung der Entwürfe sind im Einsatz.  Die anspruchsvolle Kundschaft erwartet mittlerweile alle Leistungen von der Planung bis zur Ausführung aus einer Hand.

DieMeisterTischler wurden 2003 von Nico Deutschmann und Mario Schöne in Wilsdruff gegründet. Gemeinsam mit ihren 25 Mitarbeitern schaffen die beiden Lebensräume, in denen sich Menschen wohlfühlen können. Im Unternehmen arbeiten neben Tischlermeistern und -gesellen auch Innenarchitekten, Industriedesigner und Ingenieure in interdisziplinären Teams zusammen. Zum Portfolio gehören maßgefertigte Möbel für Wohnräume, Praxen, Bars oder auch der Innenausbau von Yachten.



Beispiel 3: Die Digitalisierung der Baustelle

Die Baubranche steht vor einem gewaltigen Umbruch. Mit dem Building Information Modeling, kurz BIM, hält die Digitalisierung Einzug auf den Baustellen. Ob Bauherr oder Planer, ob Handwerker oder Dienstleister: Für alle Glieder der Wertschöpfungskette bleibt kein Stein auf dem anderen – von der Planung bis zum Abriss.

Bei BIM handelt es sich um eine Arbeitsmethode, die auf der Vernetzung aller relevanten Daten eines Bauwerks basiert. In mehrdimensionalen Zeichnungen werden Bauteile mit Daten zu Lieferanten, Preisen oder Terminen verknüpft. Über Datenbrillen können Handwerker gezeigt bekommen, wie sie bestimmte Arbeiten ausführen sollten. Virtuelle Nachunternehmerschulung nennen das die Experten. Facility Manager können abrufen, wann ein Bauteil gewartet oder ausgetauscht werden muss.

BIM ist nicht einfach ein neues CAD, sondern eine ganz neue Methode, die nur Schritt für Schritt umgesetzt werden kann. Denn BIM baut auf Datenbanken auf, die befüllt und gepflegt werden müssen. Ehe die Unternehmen von Bibliotheken voller digitaler Bauteile profitieren können, müssen sie viel akribische Fleißarbeit investieren.

Die Handwerkskammer Cottbus hat sich demnächst mit einem BIM-Fachmann verstärkt und baut ihr Beratungsangebot weiter aus. 

Umfrage unter Betrieben

Mehr als jeder fünfte Betrieb hat in den vergangenen zwölf Monaten in die Digitalisierung investiert. Dabei lagen die Investitionsschwerpunkte im Bereich der Betriebsorganisation oder dienten der Erschließung neuer Kundenkreise, wie eine Umfrage des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks ergab. Gleichzeitig betrachten 20,8 Prozent der Betriebe die Digitalisierung als Chance für die Entwicklung des eigenen Geschäfts. Als Hindernisse für die Digitalisierung werden finanzielle, personelle und zeitliche Ressourcen genannt sowie fehlende Kompetenzen im Umgang mit digitalen Prozessen.



Mittelstand Digital: Die Meistertischler in Wilsdruff
HWK Dresden / André Wirsig





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