Frühjahrsumfrage bildet eine vergleichsweise stabile Lage ab – aktuelle geopolitische Entwicklungen treiben Preise und Unsicherheiten nach obenZwischen Stabilität und Belastung: Handwerk spürt zunehmend Kostendruck
Die aktuelle Konjunkturumfrage zeigt eine differenzierte Entwicklung innerhalb des Handwerks: Während das Gesundheitshandwerk von der demografischen Entwicklung und einer stabilen Nachfrage nach medizinischen Hilfsmitteln profitiert, geraten insbesondere die Handwerke für den gewerblichen Bedarf infolge der anhaltenden Industrieschwäche zunehmend unter Druck.
Im Kraftfahrzeuggewerbe dämpft die Kaufzurückhaltung privater Haushalte den Fahrzeugabsatz spürbar, während das Werkstattgeschäft weiterhin stabil verläuft. Besonders angespannt bleibt die Lage im Nahrungsmittelhandwerk, das sich gleichzeitig mit hohen Kosten und einem zunehmenden Preisdruck durch den Einzelhandel konfrontiert sieht.
Geschäftslage verschlechtert sich gegenüber Vorquartal
Die Geschäftslage im Handwerk hat sich seit Herbst 2025 spürbar eingetrübt und spiegelt die angespannte wirtschaftliche Situation in der Region wider. Der Anteil zufriedener Betriebe sank von 76,4 Prozent im Herbst 2025 auf 69,3 Prozent im Frühjahr 2026. Gleichzeitig bewerten nur noch 13,8 Prozent der Unternehmen ihre Lage als gut, während 55,5 Prozent sie als befriedigend beziehungsweise saisonüblich einstufen. Besonders deutlich zeigt sich die Verschlechterung beim Anteil der Betriebe mit negativer Einschätzung: Dieser stieg von 23,6 Prozent auf 30,7 Prozent.
Hauptursachen sind die stark gestiegenen Kraftstoffpreise sowie drohende Materialengpässe. Diese Entwicklungen setzen die Liquidität vieler Betriebe unter Druck, da kurzfristige Kostensteigerungen im Einkauf häufig nicht unmittelbar an die Auftraggeber weitergegeben werden können.
Umsatzentwicklung: Weniger Wachstum, mehr Stabilität
Die angespannte gesamtwirtschaftliche Lage und die anhaltende Konsumzurückhaltung führten zu einer rückläufigen Wachstumsdynamik. 12,8 % der Unternehmen berichten von gestiegenen Umsätzen (Vorjahr: 17,2 %). Gleichzeitig geben 51,4 % eine gleichbleibende Entwicklung an (Vorjahr: 45 %), während 35,9 % Rückgänge verzeichnen (Vorjahr: 37,8 %).
Auftragslage leicht abgeschwächt
Auch bei der Auftragslage ist ein Rückgang der positiven Meldungen zu beobachten: 15,2 % der Betriebe berichten von steigenden Aufträgen (Vorjahr: 19,2 %), während 49,7 % eine konstante Entwicklung melden (Vorjahr: 44,7 %). Der Anteil der Unternehmen mit rückläufigen Aufträgen bleibt mit 35,2 % nahezu stabil (Vorjahr: 36,1 %).
Auftragsreichweite steigt durch strukturelle Probleme
Die durchschnittliche Auftragsreichweite ist auf 9,8 Wochen gestiegen (Vorjahr: 9 Wochen). Dieser Anstieg ist jedoch weniger auf eine erhöhte Nachfrage zurückzuführen, sondern vielmehr auf Verzögerungen infolge gestörter internationaler Lieferketten, fehlender Vorprodukte sowie anhaltendem Fachkräftemangel.
Preisdruck verschärft sich
Die Preissituation im Handwerk hat sich weiter zugespitzt und zwingt viele Betriebe in einen schwierigen Spagat zwischen Kostendruck und Wettbewerbsfähigkeit. Nur 23,8 Prozent der Unternehmen konnten ihre Verkaufspreise erhöhen, während 47,9 Prozent mit großem Aufwand versuchen, ihre Preise stabil zu halten (Vorjahr: 51,6 Prozent). Gleichzeitig ist der Anteil der Betriebe, die ihre Preise senken mussten, deutlich auf 28,3 Prozent gestiegen (Vorjahr: 24,6 Prozent).
Fachkräftesituation bleibt angespannt
Die Entwicklung bei den Fachkräften zeigt weiterhin strukturelle Herausforderungen. Unter enormen Kraftanstrengungen versuchen die Unternehmen ihre Beschäftigten zu halten. 8,6 % der Unternehmen konnten ihren Personalbestand erweitern (Vorjahr: 9,7 %), während bei 70 % keine Veränderungen festgestellt wurden (Vorjahr: 70,5 %). Der Anteil der Betriebe mit rückläufiger Beschäftigung ist auf 21,4 % gestiegen (Vorjahr: 19,8 %). Oft resultierend aus altersbedingten Renteneintritten.
Zusätzliche Risiken durch geopolitische Entwicklungen
In den vorliegenden Umfrageergebnissen sind die jüngsten geopolitischen Verwerfungen infolge des eskalierten Iran-Konflikts noch nicht berücksichtigt. Die Auswirkungen sind jedoch bereits deutlich spürbar: Die Preise für Öl und Diesel sind sprunghaft angestiegen. Insbesondere fahrzeugabhängige Handwerksbetriebe geraten dadurch massiv unter Druck. Zugleich verteuern sich erdölbasierte Materialien wie Kunststoffe und Kabel deutlich. Darüber hinaus drohen neue Lieferengpässe bei wichtigen Rohstoffen wie Aluminium. Diese schwer kalkulierbaren Kostensteigerungen und Beschaffungsrisiken verschärfen die wirtschaftliche Lage zusätzlich und setzen die ohnehin knappen Margen vieler Handwerksbetriebe weiter unter Druck.
Klare Forderung an die Landesregierung
Corina Reifenstein, Präsidentin der Handwerkskammer Cottbus, fordert die Landesregierung zu sofortigem und entschlossenem Handeln auf: „Preisgleitklauseln für öffentliche Aufträge müssen unbürokratisch und auch für laufende Projekte ermöglicht werden. Gleichzeitig sind spürbare und dauerhafte steuerliche Entlastungen bei Energie- und Kraftstoffkosten notwendig, da die von der Bundesregierung vorgeschlagene zweimonatige Energiesteuersenkung zu kurz greift. Das Handwerk braucht verlässliche Energiepreise, um seine wirtschaftliche Stabilität zu sichern. Ohne diese Maßnahmen drohen massive Verzögerungen oder sogar Stillstand zentraler Bau- und Infrastrukturprojekte. Die Politik ist deshalb gefordert, schnell investitionsfreundliche Rahmenbedingungen zu schaffen, Bürokratie abzubauen und Unternehmen gezielt zu entlasten. Die geplante Übernahme von steuer- und abgabenfreien Entlastungsprämien durch die Betriebe verschärft die finanzielle Belastung zusätzlich. Viele Unternehmen können sie in der aktuellen Lage schlicht nicht stemmen.“
Die Ergebnisse der Konjunkturumfrage verdeutlichen eine insgesamt stabile, jedoch zunehmend unter Druck geratene Wirtschaftslage. Während sich einige Kennzahlen im Jahresvergleich noch robust zeigen, deuten die Entwicklungen im Quartalsvergleich auf eine Abschwächung hin. Aktuelle geopolitische Risiken und steigende Kosten verschärfen diese Situation.
Hintergrund:
Den aktuellen Konjunkturbericht und die der vergangenen Jahre finden Sie unter: www.hwk-cottbus.de/konjunktur
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